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Das merkwürdige Verhalten männlicher Werber in der Agentur

22 Mai

Vor einiger Zeit habe ich bereits meinen Unmut über männliche Kommunikation kundgetan und ein kleines Experiment gestartet (btw: weiterhin ohne Konsequenzen). Die Konsequenzlosigkeit scheint ein Phänomen der männlich dominierten Werbebranche zu sein. Des Öfteren durfte ich schon beobachten, wie Fehler, Fehlverhalten oder einfaches Fehlen folgenlos blieben. Für mich selbst scheint sich allerdings immer eine Konsequenz zu finden.

Sei’s drum. Die Männermasse an meinem Arbeitsplatz wächst und mit ihr auch die fragwütdigen Verhaltensweisen, die ich – ganz Dian Fossey – beobachten darf. Thema heute: Backdoor bragging. Diese Kunst, Eigenlob oder vermeintlich beeindruckende Fakten über sich in alltägliche Gespräche zu schmuggeln, beherrschen diverse Mitarbeiter. Beispiel: „Als Freiberufler habe ich anfangs oft den Fehler gemacht, immer viel zu früh richtig geile Ideen zu haben. Dann verdient man nämlich weniger, weil man weniger Tage abrechnen kann.“ Der Bericht über einen vermeintlichen Fehler dient eigentlich nur der Betonung, wie geil man(n) ist. Hach, wäre es doch nur nicht so durchschaubar. Ein ganz besonders „souveränes“ Exemplar schaffte es neulich, mich innerhalb eines Tages von zwei gewonnen Preise (Preise spielen für den männlichen Werber eine große Rolle), drei gelungenen (Selbsteinschätzung) Kampagnen sowie der Tatsache, dass man ja schon beim TV und (!) beim Radio gearbeitet hat, zu unterrichten. Und das, ohne dass ich eine einzige Frage gestellt habe. Dafür würde ich dem Exemplar gern eine ernstgemeinte Respektbekundung zuteil werden lassen. Nur dass ironischerweise dieses echte Lob gerade nicht zur weiteren Festigung des bereits gut etablierten Bilder der eigenen Fähigkeiten und Leistungen beitragen würde. Also hilft weiterhin nur eins: Close your ears and think of England. Mit Kopfhörern und Danzig. Oh, mother …

Ach wäre mein Leben doch nur ein OTTO-Katalog

6 Mrz

Früher habe ich immer Häuser gemalt. Anwesen, mit Innenhof, Pferdeställen und kleinen Türmchen, umgeben von dunklen Tannen. Später habe ich in Schulheften Grundrisse meiner Traumhäuser gezeichnet, mir überlegt, wo das Kinderzimmer und wo der begehbare Kleiderschrank ist, wo welche Möbel stehen. Offene Küche, Esszimmer. Ich wollte einen grossen Esstisch besitzen und eine schwere Whiskey-Karaffe mit Glasdeckeln und Kristallgläsern.

Wenn ich mal 30 bin, so habe ich gedacht, dann ist mein Leben ganz anders. Dann bin ich erwachsen und führe, wie durch ein Wunder, ein Erwachsenenleben als Erwachsenenrebekka. Kinder scheinen zu denken, dass man später ein anderer Mensch ist. Als würde man eines morgens aufwachen und anders sein. Anders aussehen, anders reden, anders denken. Meine Schwester und ich haben als Kinder gern im OTTO-Katalog geblättert. Wir haben die weiblichen Models begutachtet und uns „ausgesucht“, wie wir aussehen/sein wollen, wenn wir groß sind. Leider habe ich heute weder Korkenzieherlocken, noch einen olivfarbenen Teint. Ich bin keine 1,80 Meter und auch nicht gertenschlank. Die bittere Wahrheit ist: Wir bleiben genauso, wie wir immer waren – nur ein bisschen älter, ein bisschen verschwommener und, wenn wir Glück haben, ein bisschen weiser und bescheidener.

Wer ich bin und wie ich aussehe – damit muss ich wohl meinen Frieden machen. Andere Räume meines Luftschlosses allerdings wären durchaus im Rahmen der Erreichbaren gewesen. Trotzdem habe ich bis heute keine Wohnküche mit Tür in den Garten und einer Kochinsel in der Mitte. Kein offenes Fenster, durch das ein freches Pony seinen Kopf steckt. Keinen Hund vorm Ofen. Keine Kristallgläser. Ich besitze auch keine richtigen Pumps (kann ich nicht drin laufen), kein dunkles Kostüm (bin zu dick) und keine Auto (bin zu arm). Stattdessen wohne ich übergangsweise in einer WG, teile mein Zimmer mit Umzugskartons, die Spinnenweben ansetzen und warte. Warte und suche. Immerhin so viel. Suche nach etwas, das mich endlich wieder erfüllen wird. So wie früher in der Schule, als ich Schülersprecherin war, von jedem geschätzt und respektiert. Heute bin ich ein Niemand, ein kleines Rädchen in einer lauten Maschine namens Berlin. Mein Fehlen würde wohl nicht auffallen – welch ein Glück. Denn ich habe beschlossen: Vierzig ist die neue Dreißig. Und ich bekomme es noch, das verdammte Haus. Den verdammten Job, der mich mit Leidenschaft erfüllt. Wenn andere das schaffen, dann kriege ich das auch. Ich wünschte nur, ich wüsste, wie …

Verdammte Gegenwartsangst

19 Okt
Lebenszweifel sind am gemeinsten, wenn man eigentlich noch schlafen sollte und es draußen so schrecklich dunkel ist.

Dieses Gefühl, es ist das Schlimmste überhaupt: Aufzuwachen mit so einem Erschrecken, einem Schreckmoment, der das Herz aussetzen läßt, und der sich dann in ein ganz ungutes Bauchgefühl ausdehnt. Ich habe schlecht geträumt und draußen ist es stockdunkel. Ich schaue auf den Wecker, noch nicht einmal sechs. Ich drehe und wende mich, will wieder einschlafen, aber es geht nicht, Zweifel pieken mich von allen Seiten. Zukunftsangst? Auch, aber vor allem Gegenwartsangst: Was mache ich eigentlich mit meinem Leben? Muss ich nicht die Notbremse ziehen? Läuft vielleicht grad alles in die falsche Richtung und ich merke es nicht, aber jetzt, in diesem einem Moment, sehe ich plötzlich – und auch nur kurz – alles ganz klar, und wenn ich jetzt nicht handle dann bin ich selber schuld? Es erscheint mir plausibel, in diesen dunklen, müden Minuten.

Nur, was genau eigentlich schief läuft kann ich nicht benennen, vielleicht bin ich einfach nur zu verpennt… Eigentlich ist doch alles OK. Also wieso schrecke ich aus dem Schlaf auf wie in einem schlechten Film?? Vielleicht nur ein schlechtes Gewissen, weil ich gestern zuviel Wein getrunken habe? Vielleicht ist es die Angst vor meinem Kontostand? Ich wünschte, es wäre so einfach, aber am wahrscheinlichsten ist: Ich glaube nicht an mein Recht, glücklich zu sein. Ich komme besser mit mir zurecht, wenn ich es nicht bin. Dann macht irgendwie alles mehr Sinn. Wie sonst kann man es erklären, dass ich immer noch, nach zwei Jahren, von der Agentur alpträume?? Heute, im Ernst, wache ich vor sechs Uhr auf und denke: Ich habe vergessen, etwas zu erledigen. Es war nur ein Traum, will ich schreien, du bist armselig. Bald dreißig und immer noch eine Opferhaltung wie ein Kind. Werd endlich erwachsen, übernehme endlich Verantwortung für dein Leben.

Jetzt ist es sieben und immer noch dunkel draußen. Mein Gesicht fühlt sich taub an vor Erwachsenseinangst. Oh der Druck des endlichen Lebens, und vor allem des priviligerten. Seit ich weiß, dass ich theoretisch fast alles erreichen und machen kann was ich will, bewege ich mich so gut wie gar nicht mehr, wie das Kaninchen vor der Schlange der unendlichen Möglichkeiten. Und nun? Kaffee und Verdrängung. Vielleicht kommt das Gefühl ja nicht zurück. Erst einmal.

Harry Potter und der Tröstende Taxifahrer

13 Sep

Die folgende Geschichte habe ich schon oft erzählt, aber noch nie aufgeschrieben.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein blauer Himmel, die Sonne ist bereits aufgegangen über Berlin. Eine menschenleere, stille, friedliche Sonnenallee. Das gibt es nur ungefähr eine Stunde lang pro Tag zu genießen, gefühlt so zwischen fünf und sechs Uhr morgens. Vor allem sonntags. Kein Auto ist unterwegs. Nur ein altes Taxi steht am Straßenrand vor der Bushaltestelle Fuldastraße. Die Fahrertür ist geöffnet, drinnen plärrt das Radio. Schlagermusik konkurriert mt dem übereifrigen Zwitschern der Vögel. Auch ihnen ist bewusst, dass sie nur diese eine Stunde haben, um zu beeindrucken. Im Bushäuschen sitzt eine junge Frau mit einem kleinen roten Kindersandkasteneimerchen im Schoß. Sie kotzt. Also: Sonne, Vögel, Radio, Kotzen.

Neben dem Taxi steht noch eine Frau, auch jung, Aber sie kotzt nicht. Statt dessen weint sie. Laut und von ganz tief drinnen. Und doch klingt ihr Schluchzen erstickt, denn ihr Gesicht ruht an der Schulter des Taxifahrers. Er ist circa 60 Jahre alt, dick und ungepflegt. Sein graues Haar hat er notdürftig über die Glatze geklebt. Der Taxifahrer wiegt die weinende Frau in seinen wulstigen Armen. Je mehr er sie wiegt, desto intensiver weint sie. Es muss alles raus. Der Mann denkt an seine Töchter, als sie im Alter der jungen Frau waren. Und an seine Enkelinnen, die bald soweit sein werden. Was haben sie für Sorgen heute, diese jungen Frauen, denkt er. Wie einfach war doch meine Welt – oder erschien es zumindest – als ich jung war. Er tätschelt der jungen Frau sachte den Rücken. “Gut, gut, ist ja gut.” murmelt er. “Du machst das alles ja so gut.” Er weiß nicht wovon er redet, aber er meint es so. Im Hintergrund fällt die kotzende Frau mit einem Seufzer auf die Seite und lässt den roten Plastikeimer fallen. Ihre Freundin dreht den Kopf, aber der Taxifahrer hält sie sanft fest. “Alles gut”, sagt er, “es wird schon alles wieder gut.” Sie legt den Kopf ab, dankbar, und lässt es geschehen.

Wann genau es war weiß ich nicht mehr, aber ich weiß, dass es warm war und der Himmel blau, und dass ich schon in der “Agentur” gearbeitet habe. Ersteres wohl erst seit kurzem, letzteres schon seit geraumer Zeit. Ich war gestresst, gehetzt, hoffnungslos und invalide. Ob es der Stress war bliebe zu beweisen, aber zum ersten Mal seit langer langer Zeit machte mein linkes Knie wieder Probleme. Schmerz und – schlimmer – Schmerzerwartung waren bereits seit Schultagen meine treuen Begleiter. Jetzt humpelte ich eben durch den “Agentur”-Glaskasten, was niemanden groß interessierte. Alles, was eine Ladung Aspirin Complex nicht lösen konnte, existierte nicht. Ich war sogar in der Charite, aber die gaben mir nur ein paar Krücken, allerdings – das muss man ja auch mal sagen – zum Spottpreis von sieben Euro.

Ich mochte meinen Job nicht besonders – auch ohne geschwollenes Knie und Schmerzmittelzwangsverordnung. Niemand hat Schuld, außer vielleicht ich selber. Bloß: Wenn man nie gelernt hat, dass man etwas so gut machen kann, dass man sich vor Lob und Empfehlungen nicht retten kann, ohne dass es auch nur annähernd etwas ist, das einem Spaß macht, was soll man dann tun? Man kann nur lernen.

Jemand zerrte an meinem linken Arm, ein anderer am rechten. Währenddessen schlug mich jemand ins Gesicht. Nicht fest, eher konstant, und daher nervig. Morgens wachte ich auf in einem Bett voll bunter Excelausdrucke und mit in wirrer Handschrift beschriebenen Postits, die ich im nichthalbwachen Zustand nicht mehr entziffern konnte. Sechs Stunden Schlaf waren Luxus, nächtliche Taxifahrten vom Büro nach Hause mit anschließendem Weintrinken Normalität. Dann Kaffee. Dann wieder Wein.

Am Wochenende gab es aber dann ab und zu eine Party. Und damit zurück in die morgendlich-malerische Sonnenallee. Ich war gerade umgezogen und hatte eines meiner kleinen geheimen Ziele erreicht: die Postadresse “Sonnenallee” auf Briefumschläge und Formulare kritzeln zu dürfen. Und es gab eine Party. Und es gab einen Mann. Eigentlich ist es keine besonders originelle Geschichte. Ich ging mit ein paar Freundinnen. Und einer Bekannten, mit der ich noch nie wirklich feiern war. Sie war nicht annähernd so trinkerfahren wie wir. Long story short, ich fand mich morgens um halb sechs mit einer kotzenden Freundin an der Bushaltestelle Fuldastraße wieder. Das Problem: Mit meinem kaputten Knie konnte ich sie keinen Meter weiter tragen. Ich war müde, ich war betrunken, ich war liebesbekümmert. Ich hatte genug. Mal wieder, wie immer, musste ich irgendwie stark sein, aus irgendeinem Grund etwas tun, das ich nicht tun wollte. Mal wieder vor die Wahl gestellt: machen was ich will und ein Arsch sein, oder machen was ich nicht will und auf Dank hoffen.

Ich versuchte, den Fahrer der Buslinie M41 zu überzeugen, dass er uns ruhigen Gewissens die zwei Stationen mitnehmen konnte. Er sah zu meiner kotzenden Freundin hinüber und lachte. Ich hielt Taxen an und bot den Fahrern horrende Summen – ich hatte einige zerknitterte Scheine in der Umhängetasche meiner Begleitung entdeckt. Sie winkten ab. Ich gab auf. Hier saßen wir, immobil aus verschiedenen Gründen, mit dem roten Eimerchen, im Bushäuschen Fuldastraße. Dann war es halt so. Ich hatte genug von allem. Ich würde hier sitzen bleiben und abwarten was passiert. Oder nicht einmal warten. Ich würde einfach hier sein. Punkt. Die Sonne ging auf, die Vögel fingen an zu zwitschern. Ich wurde immer nüchterner. Meine Freundin kotzte mit erstaunlicher Ausdauer. Plötzlich sah ich am oberen Rand meines auf meine Füße gesenkten Blickes ein Auto anhalten – direkt vor uns. Ich sah auf – es konnte nicht sein! Ein Taxifahrer hatte uns erblickt und freiwillig gehalten. Wir waren gerettet…

Der Mann hievte sich aus dem Fahrersitz, ging langsam um den Wagen herum. Das Radio lief, irgendein Schlager. Für einen Moment stützte er sich auf der Motorhaube ab. Er trug Hosenträger und eine getönte Brille. Ich stand auf. “Brauchen Sie Hilfe?” fragte er, mit einem starken osteuropäischen Akzent. Wie um seine Frage zu beantworten, erbrach sich meine Freundin mit einem Röhren in den Eimer. Wie voll der jetzt schon sein muss, ging mir durch den Kopf. Vielleicht ist es der Sandkasteneimer von Mary Poppins… Dann: konzentrier dich, Rebekka! Nicht kichern, flehen! “Nehmen Sie uns mit? Ich kann sie nicht tragen. Es ist nicht weit.” Er schüttelte traurig das zerfurchte Gesicht. “Das nicht gehen, Mädchen.” “Bitte!” “Ich bekommen Ärger.” Er wich langsam zurück. Ich ging einen Schritt auf ihn zu. Er wich einen weiteren zurück. “Bitte. Ich kann sie nicht tragen.” Er gestikulierte ein Nein. Ich wiederholte: “Ich kann nicht – ich kann nicht mehr…”

Meine Freundin erbrach sich. Und bei mir barsten alle Schleusen. Die Tränen liefen, ich hob noch die Hände, wie um zu sagen: Es tut mir leid, ich weiß auch nicht, wieso… Doch da drückten sich meine Unterarme schon an seinen Bauch, da war ich schon in seinen Armen. Er roch nach Tabak, Schweiß und alten Kleiderschränken. Ich wollte mich herauswinden, die Kontrolle wieder erlangen. Aber er hielt mich. Und ich ließ los. Alles kam über mich: Der Job, die Frustration, die Angst, der Umzug, der Krebs meiner Mutter, mein Versagen, als ich es vor lauter Burnout nicht einmal geschafft hatte, an ihrem Bett zu wachen, nachdem sie ihr den Schädel aufgesägt hatten, die Freundschaften, die ich riskierte, weil ich immer zu spät oder gar nicht kam. Die unendliche Müdigkeit. Meine Knie gaben nach, und er hielt mich. Erst nach mehreren Minuten beruhigte ich mich. Ein Bus fuhr vorbei. Meine Freundin lag nun auf der Bank. Ihr Arm hing dem Asphalt entgegen. Ich war wieder da. Ich straffte die Schultern, wischte mein Gesicht mit den Händen ab, oder an seinem Hemd. Ich trat einen Schritt zurück.

“Okay, ich nehmen dir mit”, sagte er ergeben. Ich hatte ihn gebrochen. Aber jetzt war ich wieder da. Heroisch deklarierte ich: “Nein. Ich möchte nicht, dass Sie Ärger bekommen. Ich schaffe das schon.” Und ich ging zu meiner Freundin und richtete sie grob auf. Er zögerte. Stand da. Hin- und hergerissen. Noch einmal sah ich auf zu ihm. “Danke. Ich schaffe das schon.” Er wich zurück – so wie vorher – und schaffte es diesmal um das Fahrzeug herum und auf den Fahrersitz. Die Tür schlug zu. Ich zuckte zusammen. Wieder allein. Langsam, ganz langsam, fuhr er davon. Ein Winken von mir hätte genügt. Aber ich winkte nicht.

Ich hievte sie unter Schmerzen die Straße hoch zu meinem Haus. “Linkes Bein vor, rechtes Bein vor”, sang ich ihr vor. Irgendwie ging es, so wie es immer irgendwie geht. Sie schlief in meinem Bett unter einem Handtuch. Ich rauchte in der Küche und sah aus dem Fenster.

Zum weiserwerden Teil:

Diese Geschichte ist lange her. Ich habe seitdem viel gelernt. Heute erscheint es mir unvorstellbar, dass sich derartiges wiederholen könnte. So viel Unglück in mir, so viel Unzufriedenheit. Dabei können wir ja in unserer heutigen Situation so ziemlich machen, was wir wollen. Wer hindert uns denn? Es gibt keine arrangierten Ehen, oder so gut wie keine. Wer muss denn heute noch das Geschäft des Vaters übernehmen, gegen seinen oder ihren Willen? Es kommt vor, natürlich. Aber in meinem Fall war es defintiv nicht so.

Vielmehr verfolgte ich ein Bild von mir, dass ich größtenteils selber skizziert hatte. Ich hakte brav einen Schritt nach dem anderen ab und wartete darauf, dass sich das Resultat – also das Glück, die Zufriedenheit – einstellen würde. Wartete und wartete auf etwas von außen, und ignorierte die Realität, das Innen.

Das ganze Szenario erinnert mich an eine Szene aus dem drittem Harry Potter Film – “Der Gefangene von Askaban”. Harry liegt mit seinem Patenonkel Sirius in den Armen am Ufer eines Sees, umgeben von den lebensaussaugenden Dementoren. Da er bereits weiß, dass jemand kommen wird, um ihn zu retten – weil er das Ganze schon einmal erlebt hat – wartet er ab und handelt nicht. Und liegt dabei im Sterben. Erst in letzter Sekunde realisiert er, dass niemand kommen wird, dass er selber derjenige war, der ihn das erste Mal beschützt hat. Er überlebt. Für NichtHarryPotterLeser klingt das jetzt sicher wirr, ich hoffe der Rest versteht mich.

Viele von uns warten doch darauf, dass sich endlich die Karriere, das Leben, der Mensch einstellt, auf die/das/den wir warten, und die/das/den wir erwarten. Glücklich sein werden wir aber erst, wenn wir einsehen, dass nur wir diejenigen sind, die das Glück erschaffen können. Es wird nie zu uns kommen, es kann nur aus uns kommen. Und das war das Wort zum Sonntag, und die erste Moral von der Geschicht dieses Blogs. Gute Nacht!