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Wer suchet, der findet

27 Okt

Ein überfüllter Zug ruckelt durch Polen. Draußen ist es dunkel. Ich kauere auf dem Boden vor der automatischen Wagendurchgangstür. Immer, wenn sie sich öffnet, weht weiße Asche hinein und bedeckt meinen schwarzen Kapuzenpulli. Stunden vergehen, bevor wir in Warschau ankommen. Klingt schlimm? Es mag so wirken. Aber diese Stunden waren einige der schönsten meines Lebens. Wir hatten ein beeindruckendes Wochenende in Krakau hinter uns, damals, vor 12 Jahren. Auf dem Heimweg fielen fast alle Züge aus, es war voll, es war spät. Und ich war entrückt. Währen dich dort saß und Belle and Sebastian auf meinem Diskman (ja!) hörte und die Asche hineinblies, da hüpfte mein Herz. Ich wusste, wer ich war: eine Reisende, eine Abenteurerin. Und so sollte es bleiben.

Seither habe ich, was das Reisen angeht, so meine Theorie. Die Menschen, die ich kenne, kann ich zwei klaren Kategorien zuordnen: den Suchenden und den Nicht-Suchenden. Wobei mir gerade auffällt, dass ich als bekennende Suchende der Gegenfaktion direkt einen negativ anmutenden Namen zuteile. Das geht auch andersherum. Nennen wir sie die Fertiggesuchten. Die Mehrzahl der Fertiggesuchten in meinem Bekanntenkreis wohnt in meiner Heimat und hat Kinder und Häuser. Aber auch bevor sie Kinder und Häuser hatten, zog es sie nicht in die Ferne. Urlaub ist für sie eher eine Zeit der Entspannung als des Entdeckens. Komfort steht an oberster Stelle. Und den findet kann in der Nähe natürlich leichter und bezahlbarer als in der Ferne. Centerparks, ein Wellness Hotel auf Sylt. Gern jedes Jahr an denselben Ort, da weiß man, dass es einem gefällt. Und gern immer zur gleichen Zeit – da weiß man, wie das Wetter wird.

Ich hingegen kann nicht genau steuern, wann ich verreise. Als Suchende ist für mich das Reisen ins Unbekannte ein Grundbedürfnis. Es muss nicht jeden Tag sein, dafür habe ich weder Zeit noch Geld, und außerdem bin ich zu alt für die Strapazen. Aber ab und an – und wann, das sagt mir mein Bauch, nicht mein Kontostand – muss es sein, und dann möglichst sofort. Gebe ich dem nicht nach, werde ich erst launisch, dann melancholisch, irgendwann unerträglich.

Leider befinde ich mich wie viele andere in einem recht unflexiblen Arbeitsverhältnis und kann nicht einfach für geraume Zeit verschwinden. Dieses grausame Dilemma „Geld aber keine Zeit /Zeit aber kein Geld“ kennen viele. Zum Glück gibt es als kleine Übergangsdroge den Wochenendtrip. Und zum Glück funktioniert das Suchen und das Finden – zumindest bei mir – schon auf kleinster Ebene – wie ich neulich in Brandenburg feststellen durfte.


Es sind drei Faktoren, die mich Ende August für ein Wochenende nach Chorin im Biosphärenreservat Schorfheide führen:

  1. Wegen des Choriner Musiksommers (Empfehlung!) war ich einige Zeit vorher dort gewesen, hatte aber wenig Zeit gehabt, mich außerhalb des Klosters in der Gegend umzusehen.
  2. Ich habe vor Kurzem mein Fahrrad reparieren lassen und bin noch ganz verliebt in diesen Kick des Radfahrens. Also war ein kleiner Fahrradausflug am Wochenende genau das Richtige.
  3. Mein Freund ist verreist und ich weiß bereits seit langem, dass ich aller Abenteuersuche zum Trotz ein echter Angsthase bin, wenn es darum geht, nachts allein in der Wohnung zu sein. Die Lösung: ein relativ spontaner Trip nach Chorin. Denn das Wichtigste für Suchende: Nicht wissen, was einen erwartet.

22. AUGUST, 7:30 UHR

Ich habe schlecht geschlafen und fühle mich etwas matt, als ich mich aufs Fahrrad schwinge, um zum Hauptbahnhof zu radeln. Ich muss mich aber beeilen, denn wenn ich den Zug nicht erwische, komme ich zu spät zur Hofführung auf dem demeter Hof Brodowin – meinem ersten Ziel in und um Chorin. Das Ökodorf Brodowin ist ein ganz wunderschöner Ort mit einem grasbewachsenen Kirchplatz, umgeben von meist liebevoll restaurierten Häusern. Von Chorin hierher sind es ca. 8 Kilometer. Die Zugfahrt entpuppt sich als eher stressig, da eine riesige Meute an meist älteren Wochenendradlern in die Schorfheide streben und nach uns nach ihre Räder vor meines stellen. Leider muss ich als erstes raus.

ZugBahnhof_Chorin

Irgendwie schaffe ich es und stehe mitten im nirgendwo – aka der Bahnhof Chorin. Sehr charmant ist es hier, mit einem kleinen Café und einer Touristeninformation. Ich kaufe eine Radkarte und mache mich auf den Weg. Schon nach 200 Metern stocke ich. Das kann nicht stimmen, vor mir liegt eine unscheinbare kiesbedeckte Straße mit ganz normalen Wohnhäusern. Irgendwie bin ich hier falsch. Ich fahre zurück, umrunde die Kirche – nein, es muss hier sein. Bei meinem klapprigen Stadtrad ohne Stoßdämpfer – und übrigens auch ohne Gangschaltung – hilft nur eins: Absteigen. So schiebe ich erst einmal ein ganzes Stück. an wunderschönen Häusern (Neid!!) vorbei und dann durch einen Wald. Fast ein bisschen unheimlich hier. Habe ich eigentlich jemandem erzählt, dass ich hierher fahre? Immerhin habe ich mein Pfefferspray in der Bauchtasche – zum Schutz gegen tollwütige Hunde und Wildschweine natürlich.

Als sich der Wad lichtet und ich auf die Hauptstraße stoße, auf der ich jetzt die verbleibenden 7 Kilometer weiterfahren soll, bin ich nicht weniger verunsichert: Auf der kurvigen Straße rasen die Autos an mir vorbei, einen Fahrradweg gibt es nicht. Kann das stimmen? Darf man hier überhaupt Rad fahren? Ich warte unentschlossen, bis eine ganze Gruppe in Neonfarben gekleideter Rennradfahrer an mir vorbeischießt. Nur Mut, Rebekka, wird schon schiefgehen. Die mittlerweile knallende Sonne ist nicht der einzige Grund, warum mir bei meiner Ankunft in Brodowin der Schweiß nur so runterrinnt: So manch ein überholendes Autos waren mir für meinen Geschmack ein wenig zu nah gekommen. Aber ich habe es geschafft und bin in  Brodowin.

Die Hofführung in Brodowin

Der Hofladen bietet neben dem hier hergestellten Käse auch diverse andere Biolebensmittel – und serviert frisch gekochtes Essen vom Hof. Dafür ist jetzt leider keine Zeit, denn draußen versammeln sich an die 20 Interessierten, die eigens für die Hofführung hergekommen sind, meist aus Berlin. An ihren frischen Gesichtern erkenne ich, dass die Mehrzahl mit dem PKW angereist ist. Während der Führung erfahre ich viel über die Aufzucht von Milchkühen. Vieles ist sehr positiv, zum Beispiel der ständige Zugang der Milchkühe zur Wiese und die Haltung in Herden. Negativ überrascht mich, wie wenig Bewegungsfreiheit die Kälbchen haben. Ich bin kein Profi, aber ich habe in der Heimat NRW mehr Kälber mit Müttern auf grünen Wiesen gesehen, als es hier der Fall zu sein scheint.

KalbBrodowin_Hofladen

Besonders beeindruckt mich das Bruderhahnprojekt und das mobile Hühnermobil, mit dem alle Hühner jede Nacht auf einem großen Feld von Parzelle zu Parzelle transportiert werden, damit sie immer frisches grünes Grad zum Picken haben. Das Mobil funktioniert komplett ferngesteuert. Eine tolle Idee. Gegen Ende der Führung wird mir etwas schummrig, ich habe noch nicht richtig gegessen. Ich spare mir also den Teil zur Käseherstellung in der hofeigenen Meierei und mache statt dessen den Praxistest: eine Brodowiner Käseplatte, begleitet von einem ganz wunderbaren Dinkelbier. Ich strecke die Beine von mir und denke: So dürfte das Leben jeden Samstag sein.

Brodowiner_Kaeseplatte

Auf ins Hotel am See

Als der Käse vertilgt und das Bier leer ist, habe ich wieder genug Kraft, um mich auf die nächste Etappe meiner Radtour zu machen. Aufs ins Seehotel Mühlenhaus, wo ich für die Nacht ein Zimmer gebucht habe. Vielleicht kann ich sogar eine Runde schwimmen. Nach etwa 10 Kilometern, die mich erneut durch Chorin führen, find ich etwas abseits der Straße das Hotel, wo ich trotz meiner Aufmachung freundlich begrüßt werde. Erst einmal eine Dusche und kurz den Fernseher angeschaltet – diese Beschallung bekomme ich zuhause ja nicht. Das Informationsblatt verrät, dass die Küche im Hotelrestaurant um 21:30 Uhr schließt. Ich bin wirklich nicht mehr in Berlin.

Dann zieht es mich nach draußen, an den See hinter dem Hotel. Er heißt wunderbarerweise Großer Heiliger See. Meine Schwimmsachen habe ich leider vergessen, aber auf einer der Liegen am Ufer kann ich vielleicht etwas schreiben. An meinen Computer habe ich nämlich gedacht. Gesagt, getan: Ich verbringe zwei Stunden in kompletter Stille, nur ein paar Gesprächsfetzen einheimischer Gäste sind von der Restaurantterrasse zu hören. Als es dämmert, kommt ein Paar aus dem Hotel und schwimmt. Ich bin neidisch, allerdings ist es mittlerweile auch ein wenig kühl. Ich bin zufrieden mit dem Geschriebenen, zufrieden mit dem Ausflug. Irgendwie ganz ruhig. Und gleichzeitig ganz energiegeladen. Und ich freue mich, morgen wieder aufs Rad zu steigen. Jetzt merke ich aber erst einmal, wie hungrig ich bin.

SeeblickSeehotel_Muehlenhof

Seeblick, schlemmen, schlafen

Für das Abendessen in dem Restaurant, von dem ich viel Gutes gelesen habe, ziehe ich mich sogar um. Und zu Recht, das Essen und der Service sind exzellent. Ich esse cremig gebackenen Ziegenkäse mit Salat, bekomme sogar eine Weinempfehlung. Dazu der unschlagbare Ausblick auf den See. Wie ein Scherenschnitt zieht in der Dämmerung ein Ruderboot über die spiegelglatte Oberfläche. Zwei Männer sitzen darin und angeln. Alles ist still, sogar in meinem Kopf, in dem sonst gern die Gedanken rasen. Um 22 Uhr gehe ich ins Bett. Meine Augen fallen sofort zu.

Grosser_Heiliger_See

23. AUGUST, 9 UHR

Ich bin kein Typ für Hotelfrühstück, ich bin generell keine Frühstückerin. Also begnüge ich mich mit Kaffee – erneut mit Seeblick – und mache mich schnell auf den Weg. Ich möchte mir das Kloster erneut anschauen und ein wenig in Chorin herumirren, bevor mein Zug fährt. Der Rückweg beginnt mit einem steilen Hang – gestern bin ich ihn beseelt hinabgesegelt, heute muss ich rauf. Links der Amtssee. Ich muss wirklich kämpfen (wie gesagt, keine Gangschaltung), aber ich bin auch sturr: Absteigen ist für Feiglinge. Zur Belohnung erblicke ich nach Ende der Quälerei links das Kloster. Anstatt reinzugehen – da war ich ja schon einmal – laufe ich liebe einmal um das Gebäude herum. Und stoße auf einen wunderschönen Friedhof, umrandet von einem zierlichen Lattenzaun und überdacht von einem großen alten Laubbaum. Unter ihm stehend, blicke ich direkt auf den See. Auch hier: keine Menschenseele. Dieser Ort gefällt mir sehr. Mir kommt der Gedanke: Sollte ich einmal heiraten, würde ich es gern hier tun. Leider bezweifle ich, dass die Verwalter des Klosters, in dem häufig Trauungen gehalten werden, den Friedhof als angebrachten Ort betrachten würden. Ich hingegen finde es einen sehr angebrachten Ort. Heiraten gewinnt doch seine Bedeutung doch gerade daraus, dass wir nur eine begrenzte Zeit zu leben haben. Finde ich jedenfalls.

Hunger, Historie, ab nach Hause

Ohne Frühstück losfahren heißt, dass mittags schnell der Magen knurrt. Zum Glück gibt es in Chorin eine Menge Hotels und Gasthöfe. Einer weiteren Empfehlung folgend, kämpfe ich mich mit dem Rad einen weiteren Hügel hinauf – zum Waldseehotel Frenz. Hier ergattere ich, da es noch früh ist, einen Tisch mit Seeblick. Unten schwimmen Kindern jauchzend auf Luftmatratzen im Amtssee, oben sitze ich und freue mich auf das vegetarische Hauptgericht. Das Essen ist solide, aber nicht so überragend wie im Mühlenhaus. Als ich aufblicke, sehe ich, dass sich inzwischen die gesamte Terrasse mit Hotelgästen und anderen Besuchern gefüllt hat. Sämtliche Tische mit Seeblick sind belegt. Und ich sitze gedankenverloren ganz allein an einem Vierertisch. Ich winke ein älteres Paar heran, das gerade reingehen will und fordere sie auf, sich doch an meinen Tisch zu setzen. Sie nehmen gern an und ich freue mich über ihre Gesellschaft, denn die beiden kennen sich bestens in der Gegend aus und erzählen mir so einiges zu Geschichte des Klosters und seiner Rolle währen der DDR-Zeit.

Seehotel_FrenzFahrradJPG

Leider muss ich aufbrechen, mein Zug geht in einer halben Stunde. Vom Hotel ist der Weg zum Bahnhof ausgeschildert. Erneut halte ich nach wenigen hundert Metern skeptisch an: Ich befinde mich ganz allein in einem Wald, folge einem S-förmigen, sehr unbefestigten Waldweg, auf dem ich lieber schieben würde. Leider ist dafür keine Zeit. Ich denke: Ich muss hier falsch sein, das kann doch nicht der offizielle Weg zum Bahnhof sein. Doch, er ist es, stelle ich fest, als ich endlich auf eine befahrbare Straße stoße. So endet mein kleiner Trip genau, wie er angefangen hat.

Ein Zug in Polen, ein Zug in Brandenburg, ein Zug in … ?

Im Zug nach Berlin bin ich selig. Diese dermaßen kurze Zeit hat mich vollkommen herausgeholt aus meinem mühsamen Stadt-Dasein. Schlechtgelaunte Menschen im Supermarkt. Umsteigen am Alexanderplatz. Schlimmer: Umsteigen am Hermannpatz. Neonlicht. Autolärm. Jetzt und hier bin ich wieder im Zug in Polen. Im Taxi in New York. Oder am Strand in Portugal. Ich bin aufgebrochen und wusste nicht, was kommt. Mehr Zutaten scheint mein Glück nicht zu benötigen.

Zurück am Berliner Hauptbahnhof: Der Kopf voller Träume, die Beine voller Lust, weiter zu strampeln. Eine Erkenntnis, vor allen anderen: Wie schön es ist zu wissen, dass mir auch der kleinste Trip – ohne ferne Länder, ohne Wildzelten, ohne Abenteuer – dieses Gefühl zurückbringen kann.

Und eine Frage: Wo fahre ich als nächstes hin?


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Offener Brief an Berliner Krawall-Radfahrer

19 Aug

Lieber Krawallfahrer, liebe Krawallfahrerin

ich weiß, es muss hart sein, jeden Tag so vielen Einschränkungen zu begegnen, die du ignorieren und an denen du vorbeifahren musst. So oft im zähen Strom des Mittelmaßes steckenzubleiben. So oft behindert zu werden, so oft auf Unverständnis zu stoßen. Ich sehe die Verzweiflung darüber, dass so viele dein teures Fahrrad nicht als den Freifahrtschein erkennen, der es sein sollte. Ich weiß.

Und auch du, liebes Chiffronmädchen, hast es nicht leicht. Alles, was du willst, ist mit deinem stylischen Retro-Hollandrad langsam und bezaubernd durch Mitte zu schweben. Logisch, dass du an der Ampel an dem verschwitzten Mob mit den klebrigen Haaren unter den hässlichen Helmen vorbeigleitest wie Galadriel im Nebel. Wie sollst du die Blicke deuten, die dir entgegengefeuert werden, wenn du danach in einem deinem Sofa-Fahrrad angemessenen Tempo losgleitest – ganz vorne, vor all den verschwitzten Schnellfahrern, die dich dann überholen müssen. Du bist hochgezogene Augenbrauen, spöttische Blicke und Kopfschütteln nicht gewohnt – es muss hart sein. Ich weiß.

Nun bin ich natürlich sehr persönlich geworden. Streichen wir das und seien wir politisch und auch sonst korrekt. Jeder kann Krawallfahrer sein ­– alt oder jung, homo oder hetero, schön, hässlich, reich, arm. Sprecher wir also im Folgenden „das (geschlechtsneutral) Krawallfahrerlein an.

Auskotzen vorbei oder: Im Folgenden weniger persönlich,
mehr zur Sache

Es ist ja so: Die Autos haben es leichter, im Stadtverkehr passiert ihnen nicht so viel. Stimmt. Du traust den Autos nicht, und weil die Verkehrsregeln, auf die du spuckst, deines Erachtens für Autos gemacht wurden, akzeptierst du sie nicht. Rechts vor links: Ja klar muss der Benz warten, bis ich vorbei bin. Aber wenn ein Auto von rechts kommt, fahr ich schon noch schnell – denkt sich das Krawallfahrerlein. Mich können die damit nicht meinen, ich muss ja schließlich sonst anhalten und – Gott bewahre, mit dem Fuß die Erde berühren. Das Gleiche gilt für „dunkelgelbe Ampeln“. Ja, theoretisch haben die Fußgänger schon grün. Aber ich möchte doch so gern weiterfahren, ich war grad so schön schnell. Wird schon passen – meint das Krawallfahrerlein. Rote Ampeln sind für Spießer.

Die Sache mit der Konsequenz oder: Nervig, Sachen zu Ende
denken zu müssen

Versteh mich nicht falsch: Ich fahre auch gern schnell. Leider haben meine Eltern – oder irgendeine charakterschaffende Macht im Universum – ein gewisses Gerechtigkeitsempfinden und damit eine gewisse nervige Konsequenz in mein Herz gepflanzt. Wie kann ich noch mit dem gutem Gewissen Autofahrern, die mich schneiden, vom Rad aus gegen den Kotflügel treten, wenn ich am Morgen bereits drei Fußgängern einen Herzinfarkt beschert habe? Gar nicht.

Und jetzt ganz provokant: Ich glaube sogar, dass man nicht jedes Recht, das man hat, auch einfordern muss. Ich glaube an Mitdenken und daran, auch mal im Sinne des größeren Guten zu handeln. Beispielsweise kann man mich des Öfteren dabei beobachten, auf der engen zweispurigen Baustellenstrecke Unter den Linden einen vollgepackten Bus vorbeifahren zu lassen. Klar, es ist mein Recht, dort zu fahren, genau wie dieser Bus. Aber was sollen 120 Berufstätige hinter mir im Tempo 18 hertuckern, wenn ich auch einfach für 20 Sekunden rechts anhalten und mich dann wieder einreihen kann?

Wir sind keine Raubtiere oder: Aufgescheuchte Hennen statt Bewusstseinsschärfung

Ein weiteres, ernsthafteres Problem an der Freiheit, die du dir nimmst: Durch dieses Verhalten zwingst du, liebes Krawallfahrerlein, alle anderen Verkehrsteilnehmer zur absoluten Aufmerksamkeit. 360 Grad. 60 Sekunden pro Minute. Es kann keine Gespräche mehr geben auf Berliner Straßen, niemand kann seinem Kind mehr den bunten Luftballon am Himmel zeigen. Eine grüne Ampel bedeutet nie wieder eine grüne Ampel. Natürlich ist jeder Verkehrsteilnehmer sowieso verpflichtet, zu schauen, zu hören, zu prüfen – egal wie viel „Recht“ ihm durch Lichtsignale zugesprochen wird. Aber: Dich, liebes Krawallfahrerlein auf dem Rennrad, hört man nicht, und man sieht dich meist erst um die Ecke biegen, wenn es zu spät ist. Das Heikle daran ­– neben den Verlusten wertvoller Momente der Unbeschwertheit an grünen Ampeln und Zebrastreifen – ist, dass wir Menschen, jedenfalls die meisten von uns, unsere Raubtierherkunft nur noch sehr abgeschwächt in uns tragen. Und das bedeutet: Umgeben von konstanter, nicht sichtbarer, nicht hörbarer, nicht antizipierbarer aber dennoch omnipräsenter Gefahr laufen wir nicht – wie Raubtiere, SEKler und Superhelden wie du – zu Höchstformen auf. Im Gegenteil: Wir werden flattrig. Nervös. Wir handeln unbedacht, bewegen uns schreckhaft und unkoordiniert. Und vergrößern so die Gefahr für uns und andere.

Ein Apell oder: Endlich konkrete Handlungsanweisungen

Deshalb meine Bitte, liebes Krawallfahrerlein: Sei nachsichtig, sei großzügig. Komm uns Normalsterblichen, die – ganz old school – an roten Ampeln halten, nicht von rechts überholen und vor dem Abbiegen den Arm ausstrecken, ein wenig entgegen. Fahre fünf Minuten früher los, dann musst du keine Touristenkinder umnieten, die bei grün über die Ampel laufen. Ich weiß: Du kannst auch alles achten, du hast sie gesehen, du hast die Kontrolle, und du bist schnell wie der Wind. Du bist ein Superheld. Aber denke daran: Mit großer Macht kommt große Verantwortung.

PS: Dieser Text entstand, als ich heute morgen an einer roten Ampel gewartet habe und dich von hinten einer Straßenbahn ausweichen sah. Ich hoffe, du bist sicher ans Ziel gekommen.

Das Wort zum Sonntag

19 Apr

Das Leben ist kurz.

Ist der Tag vorbei, kommt er nicht wieder. Und alles, was wir an diesem Tag nicht begonnen, beendet, verändert oder gepflegt haben, ist einen Tag weniger wahr geworden.

Das wahre Leben, das bewusste Wagnis, die gelebte Dankbarkeit – das ist kein Kinderspiel. Und man kann es nicht imitieren. Wer Tomaten einkocht, um die Gläser zu fotografieren und nicht, um sich im Winter mit ihnen, einer Flasche Rotwein und guten Freunden den Sommer in die Küche zu holen, hat es nicht verstanden.

Die Wahrheit ist doch: Die, die ins Ausland zieht, nur um davon erzählen zu können, ist keine Abenteuerin. Die, die daheim bleibt, um das Leben aufzubauen, das sie wirklich will – inkl. Hund, Haus und Baby – ist es.

Aber so sind wir eben: Wir begreifen es nicht. Ein Drittel unserer Freizeit verbringen wir damit, in Büchern, Filmen und Serien nach Weisheit und Gänsehaut zu jagen. Um dann im Leben daran vorbeizugehen. Wir lassen uns gern inspirieren, aber nur, solange es nicht unser Leben betrifft. Die wenigen, für die das nicht gilt, wissen: Es lohnt sich zu springen. Wenn Springen das ist, was man will.

Wagen wir es, zu leben. Ob Motorrad in der Sahara oder Pastaglas im IKEA-Regal. Machen wir es für uns. Und feiern wir es jeden Tag. Denn eines ist sicher: Wir werden sterben, wahrscheinlich zu früh. Und dafür, dass wir das wissen und dafür, wie viele schlaue Bücher und Filme wir kennen, machen wir  immer noch eine ganze Menge Scheiße (mit)!

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?

13 Mrz

Huch, hoffentlich habe ich da keinen echten Schaden angerichtet. Tja, zu spät. Der Kollege hat das Büro bereits verlassen. Was passiert ist, ist passiert.
Ja, aber was ist denn nun passiert? Ich habe männlich kommuniziert. Was in diesem konkreten Fall heißt: Ich habe eine Frage im Brustton der Überzeugung verneint, ohne auch nur den entferntesten Schimmer zu haben, ob meine Antwort den Fakten entspricht. Frei nach dem Motto: Hauptsache, man hat was gesagt. Und Hauptsache, man wirkte dabei souverän. Mit der neuen Info begibt sich der Kollege jetzt in ein Meeting. Und ich warte einfach mal ab, was passiert.

Ich arbeite schon seit Jahren mit männlichen Kollegen zusammen. Warum mir erst vor kurzen die Formel ihres (vermeintlichen) Erfolgs klar wurde, weiß ich nicht. Fakt ist (sag ich jetzt einfach mal so): Männer sagen viel seltener „Ich glaube“ oder „Ich check’ das nochmal.“ Männer sagen: „Das ist so“, oder „Das stimmt nicht.“ Und meistens kommen sie damit durch. Überprüft doch mal eine den Sachverhalt und stellt sie zur Rede, werden die Schultern gezuckt. „Was, das ist gar nicht so? Sollte es aber.“ Der vermeintliche Fakt wird zur unverschämten Gehorsamsverweigerung der Welt gegen den Sprecher. Reue gibt es keine.

Dagegen anzukämpfen scheint zum Scheitern verurteilt. Also mache ich es wie schon Dian Fossey (ja, den Namen schreibt man so) und passe mich meinem Umfeld an. Dian Fossey wurde ermordet, allerdings nicht von den Gorillas. Mein soziales Experiment hat bisher zum Glück keinerlei negative Konsequenzen für mich nach sich gezogen. Und wenn, dann wären die eben unfair. Und die anderen hysterisch? Na, ganz so weit wollen wir mal nicht gehen. Verallgemeinere ich hier nicht vielleicht ein bisschen, ist das, was ich hier schreibe, nicht stark vereinfacht und unfair? Nein, ist es nicht. Sag ich jetzt einfach mal so …

Lamy, Liebe, Loslassen

9 Feb

stift

Seit Neustem schreibe ich bei der Arbeit wieder mit Füller Mit einem roten Lamy-Füller, genauer gesagt. Zur Zeit bin ich sogar noch einen Nostalgie-Schritt weitergegangen und habe türkise Tintenpatronen gekauft. In Türkis habe ich damals in der Oberstufe geschrieben – wenn ich mich recht erinnere sogar die Abiturklausuren. Ein kleines aber feines Individualitätsdetail im genormten Hochschulreife-Apparat.

Leider kann man die türkise Tinte nicht killern – zumindest war die Killer-Technologie damals noch nicht so weit. Werde mal in Erfahrung bringen, ob es heute geht. Ein Tintenkiller, das war schon etwas Interessantes. Es hab zwei verschiedene Mienenarten, je nach Marke. Die eine hat immer geschmiert, die andere nicht, dafür hatte der Stift nie die gleiche Farbe wie die Tinte. Ich habe sowieso immer lieber durchgestrichen und dann mit kleinen Sternchen auf der Blattrückseite ergänzt. Bis zu sechs ****** gab es da schon einmal, wenn Die Leiden des jungen Werther unter die Lupe genommen werden mussten.

Den Füller hat mir mein Freund Luis geschenkt, eigentlich sogar zwei. Den silbernen benutze ich zu Hause, den roten in der Agentur. Ich finde das ein ausgesprochen romantisches Geschenk, vergleichbar mit dem Blumenstrauß aus Bleistiften, den Tom Hanks Meg Ryan in „You’ve got mail“ überreichen möchte. Besonders schön finde ich, dass mich Menschen auf den Füller ansprechen. Kollegen, Vorgesetzte, sogar Kunden finden meinen Lamy-Füller bemerkenswert. Es scheint, als würde speziell dieses Modell in seiner demokratisch-erschwingbaren Plastikoptik durch die Bank angenehmen Erinnerungen und Nostalgie hervorrufen. Mein Füller bringt Menschen zum Lächeln – wer hätte gedacht, dass es so einfach sein kann.

Es ist ja kein Geheimnis, dass die Nostalgie mir in meinem Wassermalkasten der Emotionen (ja, ich hab es getan) die liebste Farbe ist. Das mag nicht gesund sein, aber ich versuche dieser Tage, Gutes wie Schlechtes los- und laufen zu lassen. Und das gilt auch für meine Nostalgie. So hört man mich zu Hause vermehrt Lieder aus alten Disneyfilmen trällern. Dass aber auch andere Zeitgenossen sich von der Nostalgie anstecken lassen, macht mich froh. Nostalgie heißt schöne Erinnerungen, und die Tatsache, dass Menschen schöne Erinnerungen haben, kann sie sympathischer machen, als sie (vielleicht) sind.

Als das Nachbarskind vor kurzem in meiner Küche malte, hinterließ es mir ein weiteres Geschenk: einen dicken blauen Buntstift. Ihn habe ich zu meinem zweiten Lieblingsstift erkoren, für kurze Notizen und wirklich wichtige Geistesblitze wird er im Büro zur Hand genommen. Der Buntstift amüsiert mein Umfeld eher, als dass er Nostalgie hervorruft. Aber das ist mir egal. Im grauen Berliner Winter tut es gut, an Zeiten zurückzudenken, in denen die größte Entscheidung die Farbe des Buntstiftes war.

The ring

19 Jan

MEDION Digital Camera

So, while I was home for christmas, my mother told me I was single because I went to live in Portugal for a year. Upon my irritated and my father’s very angry reaction to that abstruse statement, she elaborated: „Well, you always just do what you want.“

Having been single for the last ten years, I was obviously hurt by this exchange. I was aware I was not the most experienced when it came to relationships, but I had never really believed it was due to my personality and/or concrete actions. Granted, people who only do what they want would not be a great partner. But I had always believed – and observed – that this behaviour would result in them having a bad and in the end a failed relationship, not in them being disqualified from having one in the first place. And, more importantly: I do not feel like I always do what I want. In fact, that time in Portugal was the only phase of my life I can recall during which I felt I did exactly what I wanted.

OK, yes: I am a strong person, and I am a strong-willed person. And yes, I am independent and enjoy being alone. But I am also a good friend and good at communicating. I am not a patient person, but I am also kind and generous. I may be harsh and quick-tempered when pushed, but I am also funny and cuddly. I don’t just like to enjoy things for myself but also to pamper others. In fact, I am a much more likeable and flexible person than my mother is. So I tried not to let her get to me. What did she know? Still, alone in my childhood bedroom – my sister and brother both with their respective partners – I suddenly had difficulties breathing. The room still smelled like when I had slept there as a teenager. How was it possible that so little had changed? How did I still think about boys (men) and their absence in my life, lying in this narrow bed, listening to my parents watch TV downstairs? And who would have expected me to be so unsuccessful, to all intents and purposes, more than ten years after graduating? No career, no money, no partner – not even an unplanned child that was a shock at first but a blessing in hindsight. I certainly had not seen this coming, or I would have been more humble. I cringed remembering all the times I had seen couples on the subway or in the supermarket and had thought: „I am prettier/smarter/younger than that person, why do they get to be in a couple and I do not?“ So there I was – terrified and suddenly regretting every major life decision I have ever made. Maybe my mom was right – I was a selfish, uncompromising person destined to die childless and alone.

In the morning I felt a little better, especially with an upcoming trip to my favourite remote farm in Italy giving some welcome perspective. But the loneliness I had felt that night, sleeping in what felt like the abandoned film set of my adolescent life, was harder to shake off than I thought – a fact that was made painfully clear to me when I found the ring. A smooth shining golden band, just like a wedding ring, whose thickness and lack of incription, however, assured me it was not actually a lost symbol of someone else’s love. My mom had found it somewhere, and after she left the house I put it on. I immediately liked the way it looked on my right finger. I also liked the way it felt. Heavy. Soothing. Like one thing forever crossed out on the endless to-do list that is adult life. Then my dad came and picked me up to go to the supermarket. I considered taking the ring off but then decided I was beyond embarassment, at least in front of him. And so I wore the shiny ring proudly and walked through aisles of pasta and cereal, milk and wine with my head held high. I was not dressed well, my hair was not washed, and I stumbled around among the many last minute grocery shoppers in my usual clumsy manner. But I did not break a sweat, I did not try to hide – I felt completely self-assured: So you think I am weird/loud/overweight? What the hell do I care? I don’t need you, someone has already picked me. Someone has picked me for life. Seriously, what could be more reassuring than that?

The ring made my family uncomfortable, but then they have always been uncomfortable – more or kess – with me living in my own fantasy world most of the time. Still asking my sister to push me on the playground swings. Still pretending my bike is a horse. The ring stayed. It came off, finally, before I left town to go back to Berlin. My sister had firmly shaken my hand and the massive ring had cut into my finger, leaving a major bruise. It hurt like hell and I was happy to be rid of it. We had just made a bet, born out of my desperation and her determination to get the pathetic ring off my finger. The wager: 500 euro say I will meet a man who is right for me before I turn 35. I bet against myself, which self-help book authors usually do not advise. But well… that will be money handed over with a smile.

I returned ringless to Berlin, but only for one night. I was eager to leave the merciless city again and go to Italy. There, in the absolute solitude of the Umbrian mountains, the bitter aftertaste of my mother’s inconsiderate words was finally washed away by wine, wind and the smell of dogs. And then something amazing happened: I let go, I was completely myself and I did not try – and stuff started to move. I met wonderful people, found myself in surprising situations and experienced amazing, unexpected, improbable magical moments.

Come to think of it, many amazing, suprirising, unusual things have happened to be over the last years – ever since I let go for the first time and stopped doing what I thought I should be doing. And they found me again on the top of that mountain – which made me realise: I am this accessible a person and thus this open to amazing things happening to me because I am alone. Because I face every situation alone. Because in the major moments of my life I have been by myself. Like traveling. It is different to travel as a pair, whether as friends or lovers. The conversation, the attention, is automatically turned more inwards. Awkward encounters don’t have to be endured and strange situations are seldomly sought out. Yet, these are exactly the things you sometimes have to invest to be rewarded with an awesome unexpected experience. In Italy, I calmed down, finally, looking at unimaginable night skies and reminiscing about all the amazing things I would not have experienced if I were a different person. Like the young homeless guy I met on the bus one night. I relucantly entered into a conversation with him, first only listenung but then also confiding. When we got off the bus at the final stop, I went into one direction and he into the other, but suddenly he stopped, turned around and screamed at the top of his lungs: „I don’t want you to die!“ And I, ignoring the judging bystanders, screamed back: „I don’t want you to die, either!“

Or the Italian under my window. This incredibly beautiful warrior of a man had hit on me on the street one night and then recongnised me one year later (after Portugal) when we both bought bread at 3 am. Nothing happened between us (then), but he walked me home and then for almost half a year appeared under my window, from time to time, in the evening. Just standing there, waiting for me to notice, or sometimes just for my lights to go out. Or the Danish guy,I met during Lisbon Mexx festival. I had decided not to go because I was too broke for the tickets, even though there was this one band I really wanted to see, Oh Land. Then one evening, in an empty depressing hostel, I took pity on the only other guest, a young guy who seemed lost and in search of a conversation. I talked to him and offered him some wine. Turns out: This man was the drummer of Oh Land and I ended up with a spot on the guest list. It was truly incredible.

So, in the end, I am almost glad my mother said what she said. And I am definetely glad I found the ring. It made me realise that I have come to a point where I want that – not necessarily marriage, but a relationship. A family. It also made me realise I like my adventurous open self and the life it allows me to lead. And so I decided, even in the face of all the fear and potential for endless regret, I will not change, and neiher will I settle. I will remain open, I will remain adventurous, I will remain restless. Amazing things have happened to me not despite those things because exactly because of them. And I have to believe that amazing romantic things will happen to me also because of the way I am. That I will meet someone who likes me exactly because I am that way. And if not, I have to believe that that is OK.

I want that stove. I want that kitchen. I want that house. I want that dog. I want that life.

16 Sep

MEDION Digital Camera

None of us can live all the lives we would want to. All the lives which to live we have, have had or will have the potential and opportunity. We must choose one, at most two. The ones with kids cannot just pack their bags and move to Alaska. The ones with jobs cannot just buy an old farm, renovate it and turn it into an alternative living community. Or can they? All I know is that I am in constant search for another life. Whenever I see someone have a nice one, I want it. I don’t necessarily want to build it, I just want to have it, own it, live it. I always dream and envy, but I hardly ever do anything, start anything.

So now I am sitting in Monestevole, a very old farm that Alessio, the charismatic wildly-bearded owner and object of my envy has renovated for more than 10 years. He has repaired these walls, has touched every stone of the structure, has painted these giant rough wooden beams that hold up the ceiling. He has built in the windows and doors, he has built the crooked cabinet next to my table which holds jars and jars of homemade jam and tomatoe sugo. All of this – it is his.

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Next to the sink there is a tiled wall where they hang all the heavy pots and pans. Over the stove, there is an old wooden ladder which holds lighter kitchenware. The stove is surrounded by a wooden work area which is used to cut the vegetables, herbs, fish and meat that become the fresh meals we eat twice a day. Before and after the cooking, Costa, gardener and cook, scrubs it with vinegar. When asked if he should not also oil the wood, Costa laughs his unique laughter. The woods gets enough olive oil every day during the cooking, he assures us.

Costa is a happy man, a man with a life. I cannot imagine him brooding over someone elses with the bitter jealousy that I display. Originally from Romania, he has been in Italy for eight years. His trade: olericulture, that is, the cultivation of vegetables. Every morning, Costa comes down one of these countless Umbrian hills to the Monestevole main house, a hand-rolled cigarette unlit between his lips. It stays there while he makes a quick coffee, puts away his bag and grabs a straw basket from the pantry (three rough stone steps lead from the kitchen into this magical shelf-encircled room where vegetables proudly display themselves in all their glory in flat wooden boxes but are overtrumped in their smell by giant hams hanging from the ceiling). Costa does not take in the beauty of the pantry, I imagine. He scans it for what he has at his disposal for the lunch and dinner he cooks every day for between 15 and 30 people. Then Costa leaves the kitchen, lights his cigarette, and goes down to the vegetable gardens. There he takes what is ready: tomatoes, zucchini, grean beans, eggplants. The cigarette has gone out again but remains between his lips while he scans some low growing shrubbery which I would consider a walking path for green cucumbers, which magically appear in his experienced hands. Back at the house, he washes his plunder and starts cooking. He listens to Romanian pop music as he does. After lunch he goes back to his apartment, sleeps or watches TV, only to come back around 5 pm to prepare dinner. Then cleaning, then free time. He loves his job. He knows when each vegetable is planted and harvested. Every Wednesday he takes out a giant wooden roll and makes pasta. He does not seem to mind being surrounded by guests and even journalists, being photographed and spied on as he works his magic in the kitchen. He just does what he loves. And every now and then, while he does it, he relights his cigarette.

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I don’t have that. I love writing, but I do not think about my day job as anything like his. Even less I would compare it to the look of absolute confidence I see on Alessio’s face. I don’t know Alessio, I only saw him three times and heard him talk once. He is a priest, a leader people flock to. I listened to Alessio tell the story of Monestevole to a random Dutch tourist who had stopped his car passing this place and had decided not to let a horde of three barking dogs (wonderful creatures, but how could he know?) stop him from finding out everything there was to know about it. Alessio knew I was eavesdropping while pretending to be working on my computer. Every now and then his iceblue eyes would meet mine – and I would not look away. He talked about how he had started the project – renovating an ancient farm in the Umbrian hills – without any money.

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About patience and passion, about confidence in what you are doing. About moving on. Because now he has sold the house to Tribewanted, the organisation behind the community project here (or will sell it entirely soon, not sure which). The Dutch man asks if it will not hurt Alessio to let it go. After all, it is his baby, his work, his creation. His reply: It is a giant mass of stones. Where is it gonna go? The father of four kids is already looking for his next project, knowing that his current one will stay – if not in his possession then in his mind and memory, in his confident composure. Now his mind is on a new piece of land, a sailing boat, a caravan to drive around the world.

Costa’s contentment and Alesssio’s confidence lead me to the suspicion that I have not yet found my thing. The hard part is to know whether you are copying someone else’s thing because you envy their happiness or whether you are actually pursuing yours. Here, I suddenly find myself looking for run-down properties in Brandenburg and reading about Genossenschaftswohnen. But is it just because I like it here so much or because this place really triggered something in me? Whatever it is, I have learned a number of things about myself here, most of which I wholeheartedly welcome and embrace:

  1. I love dogs and they love me back

I am proud and amazed when I look at the development I have gone through regarding the whole dog thing. As a child and later as a teenager, I would actually change the side of the street I was walking on to avoid passing an old dachshund sleeping on the sidewalk. Then, in Portugal, I got introduced to three dogs that helped me gain trust. The first, Bica, slept in my arm as a baby, but when I returned and she was a teenager who constantly tried to playfully bite my hand, I preferred some distance. I was not ready yet, but still. Agudo, the giant beautiful dog of Senhor Joao, never made me nervous. He was part huskey, and looked it, but he emanated a calm dignity. I was never afraid to pass him while waiting the tables. He would come by with Senhor Joao each evening after work (Joao’s, not his) and lie on the pavement while Senhor Joao had his red wine or Jameson. Then, finally, there was Alfamadog, the one that got away (every time). This dog gave me the feeling that I might still find comfort and company in my life, a foretaste on the weightlessness I imagine someone feeling who knows he is loved, watched over and cared for. I choose to take the fact that I won a prize for the story about Alfamadog as an omen that I should fill much more of my life with dogs. Here I could actually practise for two weeks.

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There is Virna, the ancient Saint Bernad with the giant head and bad breath. Virna takes the idea of „dolce far niente“ to a whole new level. She sleeps all the time and in a way she is the happiest dog I have ever seen. Except maybe for Dolly, but her happiness is not contentness but constant excitement.

Dolly is a pointer dog, and still kind of a baby (well, one year). In the beginning her playful way and skinny body made me steer clear of her, but then I discovered that her bites don’t hurt and she literally just wants to play.

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Dolly is extremely trusting. After she realised I was good to her, she became a cuddly little baby who purrs when I rub her stomach. I learned that Dolly is afraid of the dark. In the evening she likes to jump into people’s hammocks and cuddle with them, whether they want to or not. She also once, during a thunderstorm, managed to open the door to my wing of the building and hide in my room. The fact that she chose mine, at the end of a hall with five rooms, touched me, and I did not tell on her.

And then there is Alice, the watch dog, and perfect middle between the heavy lazy Virna and the ever-moving skinny Dolly. Alice has seen many things, her eyes tell you, and with her nine years she also is usually lazy. When I take her for a climb to the viewpoint up the hill, she sits down and wants to be petted whenever I stop for even one second. The concept of a walk makes little sense to Alice. But she will jump up and run like a young dog whenever Dolly thinks she has heard a car or spotted a salamander in some shrubbery, The two dogs‘ complete ignorance of their size and slowness when „hunting“ salamanders moves me as well. On the downside, Alice being the perfect watchdog and companion means that sometimes she wakes me up in the early morning, barking at cars or some unseen enemy (these areas are popular with wild boar and other game). But it also means that she walks me to my door every night. There I sit down to rub her belly and tickle her behind her ears for some minutes. Then I stop, but Alice pushes her head against me and nudges me with her paw – so I continue for some more minutes, yawning, Finally I walk up the stairs to my room, and Alice settles in for the night on the doormat. When I get up early for my morning swim, she is still there, lifts her heavy head and gets up a bit stiffly to accompany me.

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  1. I would make a good mother

This was attested by the best source, a mother. During my entire stay here, I shared garden, hammocks, table and food/wine with a Berlin couple and their 3-year-old daughter. And while I usually also steer clear of little children – because I cannot understand what they say and want – and older children – because I can – this kid liked me from day one. I played piano with her, made puzzles and countless bursting bubbles and gave endless commands. Don’t do that, wait please, put that down, leave the dog alone. Be careful. But I would always explain why she should or should not do something, and I was always authentic when I spoke to her (which meant at times saying: No, I just don’t want to play with you right now). Saying goodbye, the little devil-angel hugged me in a way that made a shiver go down my spine. With her, it was a sign of affection and trust as strong as when Dolly falls asleep in my lap, presenting me her throat, as trusting as me touching her face with not even a little doubt that she might bite me.

  1. I might always be alone

When booking here, I did not consider that I might be surrounded by couples. It is just like me looking forward to going to the supermarket on a Saturday. How I have managed for so many years to completely block out the fact that it will be full of happy couples is beyond me. Here it was the same. On the way up to the house from the train station, I learned that the house was full of Germans, all of them couples. Great, I thought. Some of the people I met here were really nice, but still the silence, the not having anyting to do, and the couples, dogs and kids led me to approach some old wounds and scars. I did my fair share of crying and being depressed, even (or especially) in beautiful Umbria. Of course, on some level, I had hoped to stumble across a nice man who, coincidentally, would come with an entire living community project I could „inherit“. A double short cut, so to speak. Needless to say, it did not happen. I spent my vacation as that odd thirty something lady who does something with writing and smokes on the terrace, looking at the stars. Who starts the day by going swimming, alone. Who takes long walks with the dogs – alone. The independent one. The quiet one. The dog lady.

  1. I might not always be alone

When you believe publicatons from Brigtte to Louise Hay, we will not find love while searching. Love therefore seems to be the only thing you actually should not search for in order to find it, which I find a bit cynical. But oh well, I do not make the rules. And happily married couples who met through online dating (I met three here in Monestevole) beg to differ. One truly lovely woman I met got married on her 40th birthday – at a point in her life when she already was herself, by herself, complete. Professionally successful, spiritually evolved. She seemed very happy. But still. I don’t want to wait anymore. So – when is a person less needy and searching for affection than when busily building something, and generally doing what they love? So, many projects remaining: Plan to finally move, look into alternative living communities and urban gardening in Berlin. Consider the possibility of leaving Berlin and of getting a dog. And the most doable: Get a wall with pans hanging from it. Try to get a writing gig besides advertising. Finish the script. Go swimming more often. Finally learn Spanish.

Or, maybe, Italian? The language barrier was not a problem with talking with Costatino with hands, feet and zucchini. But still, it might have been nice to learn more about gardening from him. I had thought my Portuguese would be more helpful, but the languages seem pretty different to me. „No parlo Italiano“, I told him apologetically, as I followed him like a dog to the vegetable patch. „No problem,“ he replied. „You will, next year when you come back.“ And you know what? I think I will.

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