Auf der Suche nach dem nachhaltigen Glück

20 Jan

Nachhaltig leben und reisen – das ist das Motto der Online-Community Tribewanted. An einem ganz besonderen Ort in der Mitte Italiens, Tribewanted Monestevole, sucht die Autorin nach Inspiration für das, was ein glückliches Leben ausmacht.

Die Lichter gehen früh aus in Monestevole. Das Abendessen ist beendet, die leeren Platten mit den Resten von Salat und Gemüse aus dem Garten, handgemachter Pasta und selbst geschlachtetem Fleisch wurden abgeräumt und eingeweicht. Die Spülmaschine säubert unzählige Gläser und Tassen vom Hauswein und stark gezuckertem Espresso. Der massive, grob gezimmerte Holztisch, der 20 Leuten Platz bietet und an dem nach dem Essen noch ein paar Runden Briscola gezockt wurden, ist leer. Vor dem Küchenfenster freuen sich sich wilde Katzen über ein paar Fleischreste. Der Koch ist noch wach. Es ist Zeit für die letzte Zigarette seines Tages. Für ihn ist dies der Feierabend, die Stunde, nachdem sich die meisten Gäste auf ihre Zimmer zurückgezogen haben, die Geschirrspülmaschine läuft und die Töpfe und Pfannen einweichen. Mit dem Seufzen eines Mannes, der den ganzen Tag auf den Beinen ist, setzt er sich auf die Bank vor der Küchentür. Dollie, die zierliche Jagdhündin mit den Bernsteinaugen, kommt sofort und bettet ihren Kopf in seinen Schoss. Die Katzen hingegen strafen ihren Versorger mit Nichtachtung, ignorieren ihn mit der Arroganz derer, die wissen, dass sie sich Gutmütigkeit gegenüber wähnen dürfen. Der Koch ist glücklich hier, mit der Küche, seinem Reich, im Rücken und den Hügeln Umbriens im Blick.

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Glücklich durch Arbeiten – arbeiten fürs Glück?

Das Gut Monestevole liegt tief im grünen hügeligen Umbrien, in der Mitte Italiens – und, wenn man den Anwohnern glaubt – der Welt. Hoch oben auf der Hügelkuppe, durch eine ca. zehn Kilometer lange Straßen mit Haarnadelkurven und bedrohlichen Abhängen entfernt vom nächsten Örtchen, leben Bewohner und Gäste hier in einem Mikrokosmos, dessen Tagesablauf von den Tieren, Feldern, Gärten und natürlich den Mahlzeiten strukturiert wird. Betrieben wird der Hof als eine Art Hotel von der Onlinecommunity Tribewanted. Deren Mitglieder weltweit finanzieren mit moderaten Monatsbeiträgen den Aufbau nachhaltiger Lebensgemeinschaften mit dem Anspruch, selbstversorgend zu leben. Das schließt neben Nahrungsmitteln auch die Strom- und Wasserversorgung ein. Angefangen in Fidschi ist Tribewanted mittlerweile auch in Sierra Leone und eben in Umbrien zu finden. Die Idee: Sowohl Mitglieder als auch Nichtmitglieder machen Urlaub in einer wunderschönen Umgebung und mit Vollverpflegung – erstere zu einem günstigeren Preis – und packen bei Interesse mit an, um das jeweilige Tribewanted Projekt mit eigener Kraft einen Schritt voranzubringen. Ob der Bau einer neuen Scheune für die Pferde, Rinder, Ziegen oder Schweine, die hier in Umbrien so idyllisch leben, wie es in Europa wohl möglich ist, beim Pflanzen von Knoblauch, beim Herstellen von organischen Seifen und Cremes oder bei der alljährlichen Wein- und Olivenernte – die Möglichkeiten, sich zu beteiligen sind zahllos. Und wenn nach dem im Sommer draußen eingenommenen Essen die Teller leer aber die Weingläser noch voll sind, die Grillen beginnen, mit der leisen Musik aus dem Grammofon zu konkurrieren, dann ist kaum ein Gast davor gefeit, seine bisherige Vorstellung vom Glücklichsein zu hinterfragen, dann kann sich kaum einer des Gefühls zu verwehren, dass dies hier ein ganz besonderer Ort und das Leben hier ein ganz besonderes Leben sein muss.

Ehrgeiz jetzt, Zufriedenheit später?

Umgeben von seinen Gästen aus Deutschland, England, den Niederlanden und Australien sitzt Filippo am großen Tisch und denkt voller Sorge an den morgigen Tag. Der Tribewanted Mitbegründer und Manager von Monestevole hat selbst ein Jahr lang am Strand von Sierra Leone gelebt. Davor wirkt seine Biografie wie von einem Karriereplaner erdacht: lange Auslandsaufenthalte schon als Kind und Jugendliche in Frankreich und den USA, eine Ivy League Collegeausbildung in Boston, dann Finanzberater in New York. Trotz seines politischen Engagements und Erfolgen als Dokumentarfilmer, der einst Rapstars nach Sierra Leone brachte, um über Blutdiamanten aufzuklären, und trotz seines Outfits – legeres Leinenhemd, Jeans und offene Lederboots – wirkt Filippo immer noch ein bisschen wie ein Banker. Der 32-Jährige ist ehrgeizig, und es ist ihm wichtig, dass Tribewanted Monestevole, hier in seiner Heimat, einen rundum guten Eindruck macht. Deshalb denkt Filippo, während er eine Mandarine schält und scheinbar interessiert den Diskussionen seiner Gäste über Ökotourismus lauscht, an den morgigen Tag: an Einkäufe, Ankünfte, Abreisen und an die Kosten für das undichte Scheunendach, von dem ihm die ortsansässigen Farmarbeiter berichtet haben. Nichts davon sollen seine Gäste mitbekommen – Filippo ist ein PR-Profi. Fragen Journalisten nach einem Interview, so ist es er, der antwortet – in fließendem Englisch natürlich. Für Filippo liegt Zufriedenheit im Erfolg: seinem, dem von Monestevole, und dem der Idee von Tribewanted. Ob er glücklich ist, fragt er sich nicht. Dafür ist später Zeit.

It takes a village …

Filippo war es, der 2010 das Landgut Monestevole entdeckt und an die Tür der Besitzer geklopft hat. Geöffnet wurde ihm von Alessio und Valeria, seit mehr als 15 Jahren verheiratet und Eltern von vier Kindern. Ohne sie gäbe es Monestevole nicht, denn in über zehn Jahren harter Arbeit haben sie aus einer Ruine ein Juwel gemacht. Das Ergebnis: Ein ausladendes Feldsteingebäude aus dem 15. Jahrhundert mit mehreren Flügeln und Nebengebäuden, unzähligen Nischen, Winkeln, rustikal gezimmerten Türen, bunten Kacheln an den Wänden, kleinen Sprossenfenstern mit Fensterläden, Eingängen auf verschiedenen Ebenen, über schiefe Treppchen erreichbar, eindrucksvollen Türbögen und freigelegten Dachbalken, unter denen dank Tribewanted nun Gäste aus aller Welt vom Heuschreckenkonzert in den Schlaf begleitet werden. Alessio ist eine beeindruckende Person, eine Mischung aus exzentrischem Künstler und bodenständigem Farmer. Ein untersetzter Mann mit blondem Rauschebart, wettergegerbtem Gesicht und eisblauen Augen. Ein Mann, dessen Nähe Pferde genießen, ein Mann, dem Hunde folgen, dem Bäume sich – so scheint es – entgegenlehnen. Alessio bemerkt nichts von dem und bedenkt Hund, Pferd und Baum mit einem beiläufigen Tätscheln – sie sind Teil von ihm und er von ihnen. Alessio stammt aus Umbertide, dem kleinen Ort unten im Tal. Er hat sein ganzes Leben hier verbracht. Ein Mann, der weiß wer er ist und was er will. Deshalb wusste Alessio auch bereits mit 20 Jahren, dass er Valeria heiraten wollte. Und die beiden wussten wenig später genau, dass sie die heruntergekommene Gutshofruine oben auf dem Hügel kaufen und renovieren würden – ohne viel Geld aber mit viel Geduld und dem Einsatz eines ganzen Dorfes. Das war lange, bevor Tribewanted an die Tür klopfte – der Hof bis dahin ein Projekt ohne bestimmten Ausgang, ein Projekt um seiner selbst willen, und für die vier Kinder, die er von hier ins Leben entlässt. Seit Tribewanted da ist, ist Alessio mit seiner Familie in ein Nebengebäude gezogen. Dass nun Fremde in seinem Haus wohnen, stört ihn nicht. Er weiß: Dinge verändern sich, aber das Gut wird bleiben. Nur eines ist ihm heilig, die Bank auf der Anhöhe hinter seinem Haus. Er ist glücklich, wenn er Musik macht, und wenn er abends mit seiner Zigarette auf dieser Bank am höchsten Punkt des Hügels sitzt und herunterblickt auf das, was er geschaffen hat. Der gesamte Hof gehört dann wieder ihm, für einen Moment.

Ist geborgtes Glück die Lösung?

Rebekka, die Schreiberin, sitzt im leeren Wohnzimmer von Monestevole und denkt über geborgtes Glück nach. Sie möchte sich konzentrieren und etwas von Wert produzieren, über Glück, aber sie ist rastlos, denn sie ist verliebt. In diesen Ort, dieses Haus, für das Tribewanted nur eine Phase in einem langen Leben ist. Und in die Hündin Dollie mit den Bernsteinaugen, die draußen an einem Knochen nagt. Nach dem Abendessen, wenn sich die übrigen Gäste zurückziehen, der Koch in der Küche pfeift, Alessio zu seiner Bank auf den Hügel steigt und Filippo sich in seinem Büro den Zahlen widmet, sitzt Rebekka für gewöhnlich hier, an dem ausladenden grob gezimmerten Holztisch, und verliert sich in ihren Gedanken. Der Aufenthalt in Monestevole sollte Abstand bringen zum stressigen Alltag in Berlin, einem Stress, der neben den langen U-Bahnfahrten und späten Abenden in der Werbeagentur vor allem darin liegt, dass sie sich an einem Ort und einem Leben wähnt, die sie nicht komplett glücklich machen. Rebekka ist ratlos: Wie soll sie ihr Leben gestalten, wenn dieser Ort ihr das untrügliche Gefühl gibt, dass das Glück nicht in Geld oder Sicherheit liegt, sondern in einem Projekt, in einem mit Wert erfüllten Tun, in einem Hund?

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Hier bleiben kann sie nicht, das weiß sie. Dieses Projekt kopieren, das Glück der Menschen hier borgen, wird keine Erfüllung bringen, denn Alessio ist Alessio, Filippo ist Filippo, der Koch ist der Koch – und Rebekka ist Rebekka. Ihre Küche ist das Schreiben. Ihre Ruine ist ein umstrittener Markt und die Angst vor finanzieller Unsicherheit. Ihr Hund ist das Bedürfnis nach Konstanz. All das weiß Rebekka, und abends vor ihrem Computer versucht sie, die Weisheit von Monestevole zu kondensieren, für sich selbst zu durchsuchen nach Hinweisen und die Magie dieses Ortes auf weiße Seiten zu bannen. Die Dunkelheit, die sie umgibt, die Geräusche von Füchsen und Wildschweinen, das Knarren des Holzes, all das macht ihr keine Angst. Sie sind kein Vergleich zum Knarren der Treppenstufen, zum Pfeifen der Männer in Berlin, wo sie sich fremd und bedroht fühlt. Hier in Monestevole steigt sie abends – den Computer unter dem Arm – die Außentreppe zu ihrem Wohnbereich hoch, in kompletter Dunkelheit, und stolpert fast über Dollie, die jede Nacht auf ihrer Fußmatte schläft und sich jeden Morgen mit ihr erhebt, wenn die ersten Tiere sich rühren und der Kaffeeduft das Haus umarmt. Rebekka vermisst die Stadt nicht, nicht ihre Lichter, nicht ihre Geräusche, ihre Hektik, ihre Möglichkeiten. Sie ist glücklich hier, und weiß gleichzeitig, dass in diesem Glück eine Frage liegt, auf die sie keine Antwort weiß.

 

 

Maske ab, Maske auf?

5 Jun

Jetzt ist es zum fünften Mal passiert: ein bindungswilliger Mensch in meinem Alter meldet sich – nicht weiter wissend oder aus Neugierde – bei einer Online-Dating-Plattform an. Er möchte jetzt auch mal jemanden kennenlernen für etwas festes. Alle lassen sich nieder, man selbst möchte nicht allein zurückbleiben, mit dem Die Ärzte T-Shirt und dem WG Zimmer mit der Bierkiste als Nachttisch. Soweit, so gut. Passiert wohl häufiger als vier Mal, denkt der geneigte Leser, eher 5.000 Mal am Tag. Worauf will sie hinaus? Zum fünften Mal, antwortet sie mit einem entrüsteten Unterton, bin ich über das Dating-Profil eines Menschen gestolpert, der mich kennt. Mehr noch: Der mich kennt und mag. Der mich kennt mag, schätzt, lustig und charmant und klug findet. Der gegebenenfalls sogar mit mir schlafen möchte oder dies bereits getan hat (keine Zahlen). Und: Der mich kennt und weiß, dass ich Single und auf der Such bin. So etwas nennen junge Menschen in amerikanischen TV-Serien gerne eine no brainer. Ich nenne es einen Dolch ins Herz. Denn in genau Null Komma Null Prozent dieser Fälle ergab sich aus der parallelen Suche der Gedanke: Ach, vielleicht ja die…?

Ich befürchte ja schon lange, dass es nicht nur „an mir liegt“ (egal, was die Leute sagen), sondern noch spezifischer an meinem Charakter. Meine Empörung generiert sich aus der Kombination der oben geschilderten Online-Dating-Erfahrungen mit einem konstanten Aufs -Äußere-Reduziert-Werden draußen im echten Dating-Jungle. Und wenn ich Äußeres sage, meine ich Brüste. Letztens auf dem Hermannplatz springt mir tatsächlich ein Mann mit ausgestreckten Händen in den Weg und schreit: „Man, hast du große Brüste. Sind die echt oder hast du dir die machen lassen?“ In der U-Bahn fragte mich mal jemand; „Kann ich die mal anfassen?“

Was hat das jetzt mit irgendwas zu tun? Ach ja: Generelle Attraktivität gepaart mit Beliebtheit und – sagen wir es doch wie es ist – Verfügbarkeit = ja , nichts. Es fehlt etwas in der Gleichung und das ist die Date-würdige Persönlichkeit. Interessant? Ja. Unterhaltsam? Auch das. Ein echt guter Kumpel halt. Eine Kumpeline mit wallendem Haar, einem netten Lächeln und großen Brüsten, die ich mir aber nicht ins Bett oder mein Leben holen will, weil all diese Qualitäten überschattet werden von einer un-datebaren Persönlichkeit. Wie kann man so in die „was ne Frau“ Ecke gedrängt werden und gleichzeitig ein Dauergast in der friend zone bleiben??

Dann ein Bekannter: „Du bist eine attraktive Frau, aber ich würde dich auch nicht daten. Ich glaub du wärst mir zu klug.“ Ein anderer: „Männer mögen keine Frauen, die allzu selbstständig sind.“ Okay, da haben wir doch mal die zwei Bösewichte: Selbstständigkeit/Souveränität auf der einen, Intelligenz auf der anderen Seite. Da muss doch was dran zu schrauben sein. Wein scheint auf letzteres einen begrenzenden Einfluss zu haben, wenn man dem Volksmund glauben darf – ersteres unterstreicht er aber leider eher, zumindest bis man nicht mehr laufen kann. Fällt also weg. Bleibt: Faken.

Ich finde ja: Wenn man jemanden kennenlernt, in der ersten Datingphase, verstellt man sich doch sowieso. Das nennt man dann gern „sich von der besten Seite zeigen“, aber seien wir doch ehrlich: Man faked. Demnach müsste es doch für mich auch okay sein, ein wenig zu faken. Nur wie stelle ich das an? Idee 1: ich denke mir fake Probleme aus dem Alltag aus und trage diese nach außen. Ich bin mir unsicher deshalb, ich kann das und das nicht alleine. Von traurigen Themen wird ja eher abgeraten, was leider heißt, dass ich das bunte Potpourri meiner echten Probleme nicht zum Einsatz bringen kann. Schade eigentlich. Lieber Organisatorisches. Wohnungssuche? Irgendwas steht zu hoch im Regal? Fahrradreifen platt? Ich bin vollkommen überfordert (wie passend). Vielleicht reicht es aber auch, mir ein bestimmtes Lächeln und einen etwas suchenden, hilflosen Blick anzutrainieren. Beziehungsweise, mir abzutrainieren, in unsicheren Situationen mein souveränes Gesicht (was halt leider mein konzentriertes Gesicht ist) aufzusetzen und stattdessen meine innere Gefühlswelt („Aarggh, wo bin ich hier, warum reden diese Menschen mit mir und was mache ich jetzt?“) eins zu eins nach außen zu kehren. Die paar Falten, die das verursacht, muss ich dann wohl tolerieren. Eine Maske ab, die andere auf? Einen Versuch ist es vielleicht wert…??

Berlin wird höflich – und ich kaufe Handtücher (vielleicht)

15 Mai

header_topDa staunte ich aber nicht schlecht, heute um 8:30 in der U8. Grad noch von Autofahrern auf der Sonnenallee angehupt und Töle ausführenden Opas auf dem Radweg im breitesten Berlinerisch beschimpft, sehe ich tatsächlich ein Berlin und ein Danke im selben Satz.  header_top

Schön, dass diese pulsierende Weltstadt zwar das zehnsekündige Pausieren eines Touristen auf dem Gehweg nicht verzeihen kann, zu K.o.-Tropfen aber höflich Nein, danke sagt. Weiter so, Berlin. Als nächstes bitte BILD-Zeitung, BER und Nazis – nein, danke.

Auch schön, mal wieder auf dem Weg zur Arbeit zu schmunzeln. Wobei, ich schreibe mir durchaus das Talent zu, auch aus den zitronigsten Momenten und U-Bahn-Fressen einen Grund zum Schmunzeln zu pressen. Jedenfalls an meinen besseren Tagen. Sowieso sage ich mir dieser Tage oft: Wäre alles immer rosig gewesen, Rebekka, worüber würdest du denn dann schreiben? Und recht hat sie, die kurz mal durchscheinenen Erwachsenenrebekka. Nur meist regiert derzeit die trotzige schmollende Herzschmerz-Teenagerrebekka. Mööp, mööp, wieso haben alle ein Baby und ich nicht? Mal ganz ehrlich: Weil man dir auch keins anvertrauen dürfte. Werd erst mal erwachsen! Und reiß dich am Riemen. Weniger Wein, mehr Fleiß. Vielleicht mal Handtücher kaufen, die nicht in den Siebzigern zum ersten mal den Kochwaschgang sahen und in die ich zudem an den Ecken Löcher geschnitten habe, damit ich sie aufhängen kann. Die Leute im Fernsehen habe weiche, fluffige Handtücher in aufeinander abgestimmten Farben, die gefaltet – manchmal sogar dekorativ aufgerollt – in offenen Ikea-Badregalen in Tropenholzoptik liegen. Und mal ehrlich: Mittlerweile eben nicht nur die Leute im Fernsehen, sondern so gut wie alle Menschen, die ich kenne (und die über 30 sind). Vielleicht mal Geld ausgeben für derart Sinnvolles, anstatt mir bei amazon einen ledernden Trinkschlauch zu kaufen, weil Hemingway aus so einem in Pamplona Rotwein gesoffen hat – oder mit Hermines Zauberstab aus Harry Potter in original Ollivanders Verpackung zu liebäugeln.

Ja, ich denke es ist an der Zeit, erwachsen zu werden. Vielleicht auch mal joggen? Nein, joggen geht vielleicht etwas zu weit. Aber Handtücher scheint machbar. Und Steuererklärung. Dann geht vielleicht auch irgendwann Hund Und dann Baby. Man drücke mir die Daumen.

The ring

19 Jan

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So, while I was home for christmas, my mother told me I was single because I went to live in Portugal for a year. Upon my irritated and my father’s very angry reaction to that abstruse statement, she elaborated: „Well, you always just do what you want.“

Having been single for the last ten years, I was obviously hurt by this exchange. I was aware I was not the most experienced when it came to relationships, but I had never really believed it was due to my personality and/or concrete actions. Granted, people who only do what they want would not be a great partner. But I had always believed – and observed – that this behaviour would result in them having a bad and in the end a failed relationship, not in them being disqualified from having one in the first place. And, more importantly: I do not feel like I always do what I want. In fact, that time in Portugal was the only phase of my life I can recall during which I felt I did exactly what I wanted.

OK, yes: I am a strong person, and I am a strong-willed person. And yes, I am independent and enjoy being alone. But I am also a good friend and good at communicating. I am not a patient person, but I am also kind and generous. I may be harsh and quick-tempered when pushed, but I am also funny and cuddly. I don’t just like to enjoy things for myself but also to pamper others. In fact, I am a much more likeable and flexible person than my mother is. So I tried not to let her get to me. What did she know? Still, alone in my childhood bedroom – my sister and brother both with their respective partners – I suddenly had difficulties breathing. The room still smelled like when I had slept there as a teenager. How was it possible that so little had changed? How did I still think about boys (men) and their absence in my life, lying in this narrow bed, listening to my parents watch TV downstairs? And who would have expected me to be so unsuccessful, to all intents and purposes, more than ten years after graduating? No career, no money, no partner – not even an unplanned child that was a shock at first but a blessing in hindsight. I certainly had not seen this coming, or I would have been more humble. I cringed remembering all the times I had seen couples on the subway or in the supermarket and had thought: „I am prettier/smarter/younger than that person, why do they get to be in a couple and I do not?“ So there I was – terrified and suddenly regretting every major life decision I have ever made. Maybe my mom was right – I was a selfish, uncompromising person destined to die childless and alone.

In the morning I felt a little better, especially with an upcoming trip to my favourite remote farm in Italy giving some welcome perspective. But the loneliness I had felt that night, sleeping in what felt like the abandoned film set of my adolescent life, was harder to shake off than I thought – a fact that was made painfully clear to me when I found the ring. A smooth shining golden band, just like a wedding ring, whose thickness and lack of incription, however, assured me it was not actually a lost symbol of someone else’s love. My mom had found it somewhere, and after she left the house I put it on. I immediately liked the way it looked on my right finger. I also liked the way it felt. Heavy. Soothing. Like one thing forever crossed out on the endless to-do list that is adult life. Then my dad came and picked me up to go to the supermarket. I considered taking the ring off but then decided I was beyond embarassment, at least in front of him. And so I wore the shiny ring proudly and walked through aisles of pasta and cereal, milk and wine with my head held high. I was not dressed well, my hair was not washed, and I stumbled around among the many last minute grocery shoppers in my usual clumsy manner. But I did not break a sweat, I did not try to hide – I felt completely self-assured: So you think I am weird/loud/overweight? What the hell do I care? I don’t need you, someone has already picked me. Someone has picked me for life. Seriously, what could be more reassuring than that?

The ring made my family uncomfortable, but then they have always been uncomfortable – more or kess – with me living in my own fantasy world most of the time. Still asking my sister to push me on the playground swings. Still pretending my bike is a horse. The ring stayed. It came off, finally, before I left town to go back to Berlin. My sister had firmly shaken my hand and the massive ring had cut into my finger, leaving a major bruise. It hurt like hell and I was happy to be rid of it. We had just made a bet, born out of my desperation and her determination to get the pathetic ring off my finger. The wager: 500 euro say I will meet a man who is right for me before I turn 35. I bet against myself, which self-help book authors usually do not advise. But well… that will be money handed over with a smile.

I returned ringless to Berlin, but only for one night. I was eager to leave the merciless city again and go to Italy. There, in the absolute solitude of the Umbrian mountains, the bitter aftertaste of my mother’s inconsiderate words was finally washed away by wine, wind and the smell of dogs. And then something amazing happened: I let go, I was completely myself and I did not try – and stuff started to move. I met wonderful people, found myself in surprising situations and experienced amazing, unexpected, improbable magical moments.

Come to think of it, many amazing, suprirising, unusual things have happened to be over the last years – ever since I let go for the first time and stopped doing what I thought I should be doing. And they found me again on the top of that mountain – which made me realise: I am this accessible a person and thus this open to amazing things happening to me because I am alone. Because I face every situation alone. Because in the major moments of my life I have been by myself. Like traveling. It is different to travel as a pair, whether as friends or lovers. The conversation, the attention, is automatically turned more inwards. Awkward encounters don’t have to be endured and strange situations are seldomly sought out. Yet, these are exactly the things you sometimes have to invest to be rewarded with an awesome unexpected experience. In Italy, I calmed down, finally, looking at unimaginable night skies and reminiscing about all the amazing things I would not have experienced if I were a different person. Like the young homeless guy I met on the bus one night. I relucantly entered into a conversation with him, first only listenung but then also confiding. When we got off the bus at the final stop, I went into one direction and he into the other, but suddenly he stopped, turned around and screamed at the top of his lungs: „I don’t want you to die!“ And I, ignoring the judging bystanders, screamed back: „I don’t want you to die, either!“

Or the Italian under my window. This incredibly beautiful warrior of a man had hit on me on the street one night and then recongnised me one year later (after Portugal) when we both bought bread at 3 am. Nothing happened between us (then), but he walked me home and then for almost half a year appeared under my window, from time to time, in the evening. Just standing there, waiting for me to notice, or sometimes just for my lights to go out. Or the Danish guy,I met during Lisbon Mexx festival. I had decided not to go because I was too broke for the tickets, even though there was this one band I really wanted to see, Oh Land. Then one evening, in an empty depressing hostel, I took pity on the only other guest, a young guy who seemed lost and in search of a conversation. I talked to him and offered him some wine. Turns out: This man was the drummer of Oh Land and I ended up with a spot on the guest list. It was truly incredible.

So, in the end, I am almost glad my mother said what she said. And I am definetely glad I found the ring. It made me realise that I have come to a point where I want that – not necessarily marriage, but a relationship. A family. It also made me realise I like my adventurous open self and the life it allows me to lead. And so I decided, even in the face of all the fear and potential for endless regret, I will not change, and neiher will I settle. I will remain open, I will remain adventurous, I will remain restless. Amazing things have happened to me not despite those things because exactly because of them. And I have to believe that amazing romantic things will happen to me also because of the way I am. That I will meet someone who likes me exactly because I am that way. And if not, I have to believe that that is OK.

Das Wir entscheidet

1 Okt

Ist es für mich bereits zu spät, ein Wir zu sein? Nein, ist es nicht. Und ich muss jetzt mal aufhören, mir das immer einzureden. Das ist nämlich eine ganz doofe Angewohnheit, die nicht – wie man annehmen könnte – mit einem niedrigen Selbstwertgefühl zu tun hat, sondern vielmehr mit meiner fehlgeleiteten Theorie des prophylaktischen Trauerns. Meine Therapeutin nennt es auch gern kindliche Allmachtsfantasien. Das kennt ja eigentlich jeder. Wenn ich mit der Befürchtung ins Flugzeug steige, dass es abstürzt, dann stürzt es nicht ab. Das wäre ja langweilig für das Leben, die Strippenzieher (den Rat der alten grauen Männer). Das macht dann ja keinen Spaß, wenn die da unten sich gar nicht erschrecken. Nach dieser Logik stelle ich mir oft vor, dass schlimme Dinge passieren, in der Hoffnung (manchmal Überzeugung), dass ich sie damit quasi entschärft habe. Ich denke oft daran, dass meine Eltern sterben, und wie schlecht ich mich dann fühlen werde wegen all der Dinge , die ich gesagt, getan und nicht gesagt und getan habe. Manchmal bekomme ich abends, wenn ich im Bett liege, plötzlich eine unglaubliche Panik, dass meiner Schwester sterben könnte. Dann zwinge ich mich, das Ganze zu durchleben. Ich muss dann immer ganz arg weinen, aber das Kind in mir glaub dennoch: naja, das war jetzt schlimm, aber immerhin kann es jetzt nicht kehr in Wirklichkeit passieren.  Die Erwachsene, die ich langsam werde, weiß: Die Stunden der Trauer um den Tod meiner Eltern, der wohlgemerkt noch in der Zukunft liegt, werden den Schmerz, den ich empfinden werde, wenn es wirklich soweit ist, nicht schmälern. Alles, was ich erreicht habe, ist mir Stunden der Trauer über rein gar nichts aufzuzwingen. Lebenszeit verschwenden, indem man damit hadert, wie kurz das Leben ist. Das ist so typisch ich, Wahnsinn.

Ebenso die Sache mit dem Alleinsein. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich mit 40 nicht in trauter Mehrsamkeit auf einem Bauernhof irgendwo wiederfinde, mit knubbeligen Kleinkindern und einem kuscheligen Hund vor dem Kamin – sie ist groß. Das mag allerdings auch an Hof, Kamin und Hund liegen. Bis sich das alles entscheidet, müssen aber noch mindestens fünf Jahre ins Land gehen. Und die Kollegin meiner Schwester ist gerade schwanger geworden – mit 43. Was nützt es also, dass ich heute schon weinend im Bett liege, weil ich aus Versehen einen romantischen Film gesehen habe. Oder einen Ex mit Partnerin. Oder einfach irgendein Paar. Klagen, kämpfen und in Kaninchen-vor-der-Schlange-Starre-verfallen helfen hier nichts. Das einzige, was scheinbar hilft, ist es nicht zu wollen, nicht daran zu denken, und nicht damit zu rechnen. Lustig, wie manche Sachen sich nicht geändert haben, seit ich 12 war. Nicht, dass ich mich in den 20 Jahren einmal daran gehalten hätte.

Was natürlich gemeint ist, ist dass man „seins“ machen sollte, aktiv sein, erfüllt sein, voller Pläne sein, die nicht nur Plan B sind. Sein Leben füllen mit Freunden, Freuden und gern auch Fehden – solange sie ablenken. Ziele haben, die eben nicht nur die Bezeugung unserer täglichen Existenz durch einen Partner sowie die Sicherstellung eines gewissen Nachwuchses beinhalten. Das stimmt alles sicherlich. Dennoch glaube ich auch, dass der Langzeitsingle eine Verantwortung dafür trägt, sich nicht zu sehr verschroben zu lassen. Ich benutze diesen Ausdruck bewusst als ausgedachtes Verb. In meinem Kopf lautet der Infinitiv „verschrauben“. Der Begriff verschroben ist laut Duden nämlich „eigentlich mundartlich stark gebeugtes 2. Partizip von veraltet verschrauben = verkehrt schrauben“. Um in eine Windung zu passen, braucht eine Schraube eine gewisse Form – daran erinnert mich dieser Begriff. Wie Steine in einem Fluss schleift das Leben uns langsam ab. Immer mehr gleichen wir uns unserer spezifischen Umgebung, unseren spezifischen Lebensumständen, Gewohnheiten, Präferenzen an – unserem Gewinde. Früher waren wir vielleicht flexibel auch in andere Leben einsetzbar, jetzt reiben wir uns oder kommen erst gar nicht rein, wenn uns jemand doch einmal die Tür zu seiner oder ihrer Existenz öffnet. Es passt nicht. Es kneift und drückt. Lieber wieder nach Hause.

Ich bin schon sehr lang allein, es kommt mir vor, als wäre die Zeit, in der ich es nicht war, die Ausnahme nicht der Normalzustand. Ich war schon als Kind gern allein, und früh autark. Nach dem Feriencamp wollte ich nicht nach Hause, Heimweg kannte ich nicht. Angst auch selten. Mit 12 fuhr ich lieber quer durch London mit der U-Bahn zum Hotel, als mit der Reisegruppe irgendetwas langweiliges zu besichtigen. Die emotionalsten Momente, die schönsten Aus- und Augenblicke, die Gänsehaut-erzeugenden Erkenntnisse habe ich immer allein erlebt. Die größten Entscheidungen allein getroffen. Und je mehr Zeit vergeht, desto mehr ziehe ich mich in mich zurück.

Letztens mit Freunden in einer Kneipe. Es ist Wahlabend, und Bier und Mexikaner-Shots sollen über die Gefühle von – um mit der Titanic zu sprechen – „Angst und Schrecken“ hinweghelfen, welche die Ergebnisse zumindest in meinem Deutschland verbreiten. Nach ein paar Bier will ich nach Hause, schließlich ist am nächsten Tag mein erster Arbeitstag nach drei Wochen Ferien. Der Freund meiner Freundin, der auch in der Runde sitzt, ist irritiert: „Wir gehen doch auch gleich, warte doch noch fünf Minuten, bis wir ausgetrunken haben.“ Ich bin ebenfalls völlig irritiert. Nicht, weil ich mich angegriffen fühle – er ist nett und meint es nett – sondern, weil ich niemals auf diese Idee gekommen wäre. Es macht ja auch keinen Sinn, denn niemand muss dem anderen beim Bezahlen helfen, alle schaffen es allein, ihre Mäntel anzuziehen und die schwere Holztür aufzustemmen, keiner hat den selben Heimweg wie ich, niemand braucht meinen Hausschlüssel. „Warum?“ frage ich ihn – ich will einfach nur verstehen. „Naja, das macht man doch so.“ Ich setzte mich wieder, ein wenig wie ein geprügelter Hund in Jacke und Schal. Stimmt etwa etwas nicht mit mir? Bin ich zu wenig wir-sinnig und zu viel ich-sinnig? Ist es zu spät für mich – nicht im temporären Sinne, sondern im persönlichen? Habe ich meine von Beginn an individualistische Persönlichkeit zu weit getrieben, um überhaupt noch paarfähig zu sein?

Noch schlimmer ist folgender Gedanke: Wenn ich ehrlich bin, steht der Verschrobenheitsvorwurf schon seit geraumer Zeit im Raum. Eine Affäre aus meiner Uni-Zeit fragte mich vor bereits gut acht Jahren: „Kann es sein, dass du irgendwie total verschroben bist?“ Ihn hatte ich mehrmals in meine Wohnung und mein Bett gelassen – gekannt habe ich ihn nicht und er mich noch weniger. Vielleicht verstärkt sich meine Verschrobenheit gar nicht mit jedem Jahr, das ich alleine bestreite. Vielleicht bleibt sie einfach gleich hoch. Aber was heißt das dann? Oh man, ich brauche dringend irgendein Ziel.

I want that stove. I want that kitchen. I want that house. I want that dog. I want that life.

16 Sep

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None of us can live all the lives we would want to. All the lives which to live we have, have had or will have the potential and opportunity. We must choose one, at most two. The ones with kids cannot just pack their bags and move to Alaska. The ones with jobs cannot just buy an old farm, renovate it and turn it into an alternative living community. Or can they? All I know is that I am in constant search for another life. Whenever I see someone have a nice one, I want it. I don’t necessarily want to build it, I just want to have it, own it, live it. I always dream and envy, but I hardly ever do anything, start anything.

So now I am sitting in Monestevole, a very old farm that Alessio, the charismatic wildly-bearded owner and object of my envy has renovated for more than 10 years. He has repaired these walls, has touched every stone of the structure, has painted these giant rough wooden beams that hold up the ceiling. He has built in the windows and doors, he has built the crooked cabinet next to my table which holds jars and jars of homemade jam and tomatoe sugo. All of this – it is his.

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Next to the sink there is a tiled wall where they hang all the heavy pots and pans. Over the stove, there is an old wooden ladder which holds lighter kitchenware. The stove is surrounded by a wooden work area which is used to cut the vegetables, herbs, fish and meat that become the fresh meals we eat twice a day. Before and after the cooking, Costa, gardener and cook, scrubs it with vinegar. When asked if he should not also oil the wood, Costa laughs his unique laughter. The woods gets enough olive oil every day during the cooking, he assures us.

Costa is a happy man, a man with a life. I cannot imagine him brooding over someone elses with the bitter jealousy that I display. Originally from Romania, he has been in Italy for eight years. His trade: olericulture, that is, the cultivation of vegetables. Every morning, Costa comes down one of these countless Umbrian hills to the Monestevole main house, a hand-rolled cigarette unlit between his lips. It stays there while he makes a quick coffee, puts away his bag and grabs a straw basket from the pantry (three rough stone steps lead from the kitchen into this magical shelf-encircled room where vegetables proudly display themselves in all their glory in flat wooden boxes but are overtrumped in their smell by giant hams hanging from the ceiling). Costa does not take in the beauty of the pantry, I imagine. He scans it for what he has at his disposal for the lunch and dinner he cooks every day for between 15 and 30 people. Then Costa leaves the kitchen, lights his cigarette, and goes down to the vegetable gardens. There he takes what is ready: tomatoes, zucchini, grean beans, eggplants. The cigarette has gone out again but remains between his lips while he scans some low growing shrubbery which I would consider a walking path for green cucumbers, which magically appear in his experienced hands. Back at the house, he washes his plunder and starts cooking. He listens to Romanian pop music as he does. After lunch he goes back to his apartment, sleeps or watches TV, only to come back around 5 pm to prepare dinner. Then cleaning, then free time. He loves his job. He knows when each vegetable is planted and harvested. Every Wednesday he takes out a giant wooden roll and makes pasta. He does not seem to mind being surrounded by guests and even journalists, being photographed and spied on as he works his magic in the kitchen. He just does what he loves. And every now and then, while he does it, he relights his cigarette.

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I don’t have that. I love writing, but I do not think about my day job as anything like his. Even less I would compare it to the look of absolute confidence I see on Alessio’s face. I don’t know Alessio, I only saw him three times and heard him talk once. He is a priest, a leader people flock to. I listened to Alessio tell the story of Monestevole to a random Dutch tourist who had stopped his car passing this place and had decided not to let a horde of three barking dogs (wonderful creatures, but how could he know?) stop him from finding out everything there was to know about it. Alessio knew I was eavesdropping while pretending to be working on my computer. Every now and then his iceblue eyes would meet mine – and I would not look away. He talked about how he had started the project – renovating an ancient farm in the Umbrian hills – without any money.

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About patience and passion, about confidence in what you are doing. About moving on. Because now he has sold the house to Tribewanted, the organisation behind the community project here (or will sell it entirely soon, not sure which). The Dutch man asks if it will not hurt Alessio to let it go. After all, it is his baby, his work, his creation. His reply: It is a giant mass of stones. Where is it gonna go? The father of four kids is already looking for his next project, knowing that his current one will stay – if not in his possession then in his mind and memory, in his confident composure. Now his mind is on a new piece of land, a sailing boat, a caravan to drive around the world.

Costa’s contentment and Alesssio’s confidence lead me to the suspicion that I have not yet found my thing. The hard part is to know whether you are copying someone else’s thing because you envy their happiness or whether you are actually pursuing yours. Here, I suddenly find myself looking for run-down properties in Brandenburg and reading about Genossenschaftswohnen. But is it just because I like it here so much or because this place really triggered something in me? Whatever it is, I have learned a number of things about myself here, most of which I wholeheartedly welcome and embrace:

  1. I love dogs and they love me back

I am proud and amazed when I look at the development I have gone through regarding the whole dog thing. As a child and later as a teenager, I would actually change the side of the street I was walking on to avoid passing an old dachshund sleeping on the sidewalk. Then, in Portugal, I got introduced to three dogs that helped me gain trust. The first, Bica, slept in my arm as a baby, but when I returned and she was a teenager who constantly tried to playfully bite my hand, I preferred some distance. I was not ready yet, but still. Agudo, the giant beautiful dog of Senhor Joao, never made me nervous. He was part huskey, and looked it, but he emanated a calm dignity. I was never afraid to pass him while waiting the tables. He would come by with Senhor Joao each evening after work (Joao’s, not his) and lie on the pavement while Senhor Joao had his red wine or Jameson. Then, finally, there was Alfamadog, the one that got away (every time). This dog gave me the feeling that I might still find comfort and company in my life, a foretaste on the weightlessness I imagine someone feeling who knows he is loved, watched over and cared for. I choose to take the fact that I won a prize for the story about Alfamadog as an omen that I should fill much more of my life with dogs. Here I could actually practise for two weeks.

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There is Virna, the ancient Saint Bernad with the giant head and bad breath. Virna takes the idea of „dolce far niente“ to a whole new level. She sleeps all the time and in a way she is the happiest dog I have ever seen. Except maybe for Dolly, but her happiness is not contentness but constant excitement.

Dolly is a pointer dog, and still kind of a baby (well, one year). In the beginning her playful way and skinny body made me steer clear of her, but then I discovered that her bites don’t hurt and she literally just wants to play.

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Dolly is extremely trusting. After she realised I was good to her, she became a cuddly little baby who purrs when I rub her stomach. I learned that Dolly is afraid of the dark. In the evening she likes to jump into people’s hammocks and cuddle with them, whether they want to or not. She also once, during a thunderstorm, managed to open the door to my wing of the building and hide in my room. The fact that she chose mine, at the end of a hall with five rooms, touched me, and I did not tell on her.

And then there is Alice, the watch dog, and perfect middle between the heavy lazy Virna and the ever-moving skinny Dolly. Alice has seen many things, her eyes tell you, and with her nine years she also is usually lazy. When I take her for a climb to the viewpoint up the hill, she sits down and wants to be petted whenever I stop for even one second. The concept of a walk makes little sense to Alice. But she will jump up and run like a young dog whenever Dolly thinks she has heard a car or spotted a salamander in some shrubbery, The two dogs‘ complete ignorance of their size and slowness when „hunting“ salamanders moves me as well. On the downside, Alice being the perfect watchdog and companion means that sometimes she wakes me up in the early morning, barking at cars or some unseen enemy (these areas are popular with wild boar and other game). But it also means that she walks me to my door every night. There I sit down to rub her belly and tickle her behind her ears for some minutes. Then I stop, but Alice pushes her head against me and nudges me with her paw – so I continue for some more minutes, yawning, Finally I walk up the stairs to my room, and Alice settles in for the night on the doormat. When I get up early for my morning swim, she is still there, lifts her heavy head and gets up a bit stiffly to accompany me.

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  1. I would make a good mother

This was attested by the best source, a mother. During my entire stay here, I shared garden, hammocks, table and food/wine with a Berlin couple and their 3-year-old daughter. And while I usually also steer clear of little children – because I cannot understand what they say and want – and older children – because I can – this kid liked me from day one. I played piano with her, made puzzles and countless bursting bubbles and gave endless commands. Don’t do that, wait please, put that down, leave the dog alone. Be careful. But I would always explain why she should or should not do something, and I was always authentic when I spoke to her (which meant at times saying: No, I just don’t want to play with you right now). Saying goodbye, the little devil-angel hugged me in a way that made a shiver go down my spine. With her, it was a sign of affection and trust as strong as when Dolly falls asleep in my lap, presenting me her throat, as trusting as me touching her face with not even a little doubt that she might bite me.

  1. I might always be alone

When booking here, I did not consider that I might be surrounded by couples. It is just like me looking forward to going to the supermarket on a Saturday. How I have managed for so many years to completely block out the fact that it will be full of happy couples is beyond me. Here it was the same. On the way up to the house from the train station, I learned that the house was full of Germans, all of them couples. Great, I thought. Some of the people I met here were really nice, but still the silence, the not having anyting to do, and the couples, dogs and kids led me to approach some old wounds and scars. I did my fair share of crying and being depressed, even (or especially) in beautiful Umbria. Of course, on some level, I had hoped to stumble across a nice man who, coincidentally, would come with an entire living community project I could „inherit“. A double short cut, so to speak. Needless to say, it did not happen. I spent my vacation as that odd thirty something lady who does something with writing and smokes on the terrace, looking at the stars. Who starts the day by going swimming, alone. Who takes long walks with the dogs – alone. The independent one. The quiet one. The dog lady.

  1. I might not always be alone

When you believe publicatons from Brigtte to Louise Hay, we will not find love while searching. Love therefore seems to be the only thing you actually should not search for in order to find it, which I find a bit cynical. But oh well, I do not make the rules. And happily married couples who met through online dating (I met three here in Monestevole) beg to differ. One truly lovely woman I met got married on her 40th birthday – at a point in her life when she already was herself, by herself, complete. Professionally successful, spiritually evolved. She seemed very happy. But still. I don’t want to wait anymore. So – when is a person less needy and searching for affection than when busily building something, and generally doing what they love? So, many projects remaining: Plan to finally move, look into alternative living communities and urban gardening in Berlin. Consider the possibility of leaving Berlin and of getting a dog. And the most doable: Get a wall with pans hanging from it. Try to get a writing gig besides advertising. Finish the script. Go swimming more often. Finally learn Spanish.

Or, maybe, Italian? The language barrier was not a problem with talking with Costatino with hands, feet and zucchini. But still, it might have been nice to learn more about gardening from him. I had thought my Portuguese would be more helpful, but the languages seem pretty different to me. „No parlo Italiano“, I told him apologetically, as I followed him like a dog to the vegetable patch. „No problem,“ he replied. „You will, next year when you come back.“ And you know what? I think I will.

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Der Kuss und der Rat der alten grauen Männer

4 Aug

Die Tatsache, dass ich seit gut einem Jahr nichts geschrieben habe, mag als Faulheit gedeutet werden. Ich sage mir gern laut vor, dass dieser Umstand der Tatsache geschuldet ist, dass ich jetzt beruflich schreibe und abends nicht mehr vor einem weißen Screen mit unverschämt blinkenden schwarzen Strich sitzen will. Die bittere Wahrheit ist aber, dass ich mit dem Blog an sich hadere, weil weiserwerden ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint. Vielleicht sollte ich ihn umbenennen in Die Unmöglichkeit, weiser zu werden. Oder löschen. Aber Schreiben ist eben auch Verstehen, und weil ich momentan einmal wieder fassungs- und verständnislos vor dem chaotischen Gemälde stehe, das scheinbar meine Berliner Existenz darstellt, tue ich es erneut. 

Ich habe also jemanden kennen gelernt. The curse has been lifted, kann man so sagen. Ich bin sehr stolz auf meine emotionale Reife und großzügige Einstellung zum Leben, mit der ich eingestehe, dass die ganze Nummer eine positive Entwicklung darstellt, obwohl sie – natürlich – böse enden musste. Getroffen habe ich den Mann online, bei einer Plattform namens okcupid, das Lost & Found für Berlins Beste Expat Hipster und Media Warriors. Der Kontrast zur echten Welt könnte nicht krasser sein: Hier ist jeder offen (open), entspannt (easy-going), kreativ (creative) und ein Künstler (I work in media/love photography/write a blog/play in a band). Der perfekte Ort für mich also. Normale Leute gibt es dort auch, wie O., der mir auf eine angenehm unspektakuläre Weise schreibt, dass er mich gern kennen lernen würde. Warum nicht, immerhin ist er aus Israel und macht was mit Film. Für eine zwei-Bier-lange Konversation wird es reichen. Es reicht für vier, und einen Kuss als Belohnung dafür, dass ich ein Mensch bin, der keine Mücken töten kann.

Es folgen vier Wochen, von denen ich die ersten zwei nur halb genieße, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass mir so etwas wirklich passiert. Nach acht Jahren Rumgeheule stehe ich wirklich in der Bahn und ziehe hasserfüllte Blicke auf mich, weil ich so unverblümt glücklich bin und deshalb so unverschämt erotisch einen Mann küsse, mit dem ich doch sowieso bald in den eigenen vier Wänden sein werde. Why? Because I can.

Aber: Ich bin auf der Hut. Nicht zu oft melden. Cool sein. Den Ball flach, den Fuss ruhig, die Finger beschäftigt halten. Oder wie das heißt. Idle hands are the devil’s playthings … Und dann der Kuss. Am Sowjetischen Ehrenmahl. Brütende Hitze. Der Mann hat mir seine Wohnung gezeigt. Der Mann hat mich seinem Mitbewohner vorgestellt. Der Mann hat mir eine Zahnbürste gegeben und auf der Straße meine Hand genommen. Jetzt zeigt mir der Mann das Mahnmal, von dem ich 12 Jahre lang dachte, es sei dieser merkwürdige Torbogen im Treptower Park. Das nordkoreanische Horrorareal daneben hab ich irgendwie immer übersehen. Der Mann findet es nicht doof, dass ich beim Abstieg Höhenangst habe. Ich finde es nicht problematisch, mit dem Mann auf einem Massengrab rumzumachen. Dann laufe ich auf einem Mäuerchen, er auf dem Weg, wir halten an und wir küssen uns. Und es passiert etwas, das nicht passieren darf – weil, wenn das wahr ist, dann sind vielleicht auch die anderen Hollywoodliebesfilmklischees gar nicht ausgedacht, und dann, meine Lieben, sind wir wirklich am Arsch. Meine Knie sacken mir weg. Einfach so. Weil der Kuss sich nicht damit begnügt, an meinem Herzen ein Flattern zu verursachen, er wandet weiter in meinen Bauch, wo sich alles irgendwie einmal umdreht, und als sei das nicht ausreichend, sagt er sich: Warum ist dieser Kuss anders als all die anderen Küsse? Weil er ein Meilenstein ist. Ab diesem Kuss wird Rebekka loslassen und zulassen und reinlassen und all das. Deshalb zieht der Kuss weiter zu meinen Knien und sagt: Macht euch mal locker. Ich erschrecke so arg, dass ich den Kuss beende. Ich sage nichts zu dem Mann, aber als ich in der U-Bahn sitze, muss ich weinen. Und zwar zum ersten Mal seit ich in dieser unbarmherzigen Stadt leben aus Glück, nicht aus Trauer oder Wut.

Die nächsten zwei Wochen genieße ich sehr. Tse, sage ich zum Leben, siehste mal. Ich darf auch mal so sein wie die anderen. Die da, im Supermarkt und im Cafe. Ha, ich gehe sogar ins Kino mit dem Mann und einkaufen bei Rewe, und der Mann fasst mir vor dem Weichkäse-Kühlregal heimlich an den Hintern und trägt die Tasche und macht mir einen israelischen Salat. Leider ist das Leben jemand, den man nicht so offensichtlich reizen sollte. Denn das Leben verliert nicht gern das Gesicht. Gut, das kann man irgendwie auch verstehen. Immerhin muss das Leben relativ viele schwierige Entscheidungen treffen und diese tagtäglich vor sehr vielen Menschen glaubhaft vertreten. Hätte ich den Ball flach gehalten, möchte ich glauben – muss ich glauben, um schlafen zu können – hätte das Leben mich damit davon kommen lassen. Aber ich musste es natürlich übertreiben. Ich weiß nicht, ob es der Kuss war oder die Tatsache, dass ich es nach Woche 3 und einem 48 h Entrückt-anschauen-zurück-ins-Bett-gehen-Wochenende in meiner Wohnung meinen Eltern erzählt habe. Eines dieser beiden Ereignisse jedenfalls hat den Rat der alten grauen Männer erreicht. Vergleiche 2011, same story, different language: http://thelisbonstory.wordpress.com/2011/05/21/the-berlin-rant/

Der Rat hatte seit Portugal eigentlich wenig mit mir zu tun und konnte sich getrost anderen Menschen widmen, an denen er seine uns Sterblichen unverständlichen Exempel statuiert. Damals, in Portugal, ging das erste Fax über mich beim Rat ein: „Es gibt einen Fall. Diese Frau, Rebekka, hat einfach den Plan geändert. Der Fluch, der auf ihr liegt, hat bisher alles in Schach gehalten, ihr sind irgendwie immer schlimme Sachen passiert, aber nie schlimm genug für. Sie wissen schon. Aber jetzt ist sie einfach nach Portugal gezogen und ist… glücklich. Wir müssen handeln.“ Lange Konferenzen: Aber wie? Was tun? Das Land im Meer versenken? Schwer zu erklären. Wir nehmen all ihr Geld und zwingen sie zur Rückkehr? Sie hat ja gar keins, Mist. Ich hab es, Kollegen, wir geben ihr eine Krankheit. Abstimmung? Alle dafür? Done.

Ich hatte meine Lektion gelernt, und meine in Schach gehaltene Freude über meinen unverhofften Karrierewechsel zeigt: Man kann mit so einem Fluch schon einigermaßen angenehm leben. Man darf eben nur nicht übermütig werden. Denn dann tagt der Rat der alten grauen Männern. Auch dieses Mal haben sie sich selbst übertroffen. Weil die knospende Beziehung eigentlich wenig Angriffsfläche bot, wurde ein Familiendrama beim Mann auf den Plan gerufen, kombiniert mit einer noch nicht vergessenen Exfreundin. Und so sitze ich in meinem Zimmer, das Handy nach dem gerade beendeten zweiminütigen Gespräch noch in der Hand, starre auf mein kunterbuntes lebensfrohes Regal und denke: Ach ja, da war ja was. Dann muss ich lachen. I had it coming. Regeln geben dem Leben Struktur und der Handlung Sicherheit. Ich habe sie gebrochen. Von weiserwerden keine Spur. Um mit meiner Lieblingsgewinnerversagerin Marin Frist zu sprechen: „Nobody should be listening to me.“

Aber: Weil ich sonst nichts kann und jetzt wieder eine Menge Zeit habe, werde ich wieder mehr schreiben. Und dazu nicht unbedingt auf lebensverändernde Einsichten oder Erlebnisse warten. Vielleicht schreibe ich über mein Onlinedating – ja, nach einer Woche bin ich back in the sattle again – oder darüber, wo ich 2014 hinziehe, wenn ich hoffentlich diese gottverdammte Stadt hinter mir lasse (ob ich sie abbrenne überlege ich noch, ich werde aber natürlich rechtzeitig Bescheid geben). Stay tuned.

P.S.: Bevor ich es vergesse. Der geneigte Leser mag sich in seiner frischen Ehe oder sonstiger glücklichen Beziehung jetzt einen Moment lang pflichtschlechtfühlen. Das ist gewollt. Jetzt ist Handeln angesagt, ihr seid dran. Verkuppelt mich. Kriterien (zwingend): Mann, über 25, tolerant und weltoffen, nicht drogenabhängig, keine Katze. Kriterien (ideal): ruhig, gelassen, gern lustig, nicht gestylt/Künstler/Hipster, eher Jeans-und-T-Shirt-Typ, unprätentiös, lebengenießend, mag Hunde.